Kommenden Dienstag feiern wir den Tag der Arbeit – es ist der 1. Mai. Seit 1888 als Datum festgelegt steht er für die erkämpften Rechte der ArbeitnehmerInnen. Waren dies früher durchwegs ArbeiterInnen, sind damit heute alle unselbständig tätigen Menschen gemeint. Für sie sollte dieser Tag ein ganz Wichtiger sein. Ein wichtiger Punkt ist der 8-Stunden-Tag bzw. die 40-Stunden-Woche Normalarbeitszeit.

An der will die Regierung jetzt rütteln. „Natürlich“, so betonte Vizekanzler Strache gegenüber der Zeitung Standard, „will man an der gesetzlichen Regelung nicht rütteln, aber es soll möglich sein, diese auf 12 Stunden/60 Wochenstunden auszuweiten. Einige Branchen würden dies begrüssen.“ Dazu ist aber eine Betriebsvereinbarung bzw. ein Einvernehmen mit dem Betriebsrat vonnöten, meinte Strache.

Was passiert aber tatsächlich, wenn der Betriebsrat „Nein“ sagt und eine Betriebsvereinbarung so nicht zustande kommt ? Gibt es dann – wie an den Beispielen MAGNA Austria oder Servus TV sichtbar – Druck vom Arbeitgeber oder würde er es so hinnehmen ? Jeder Mensch, der nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, weiß was dann passiert. KollegInnen die das nicht wollen werden entweder gekündigt oder versetzt, Betriebsräten wird dann mit der Schliessung des Betriebes gedroht oder das Unternehmen wandert gleich ganz ab, ohne lange zu diskutieren. Oder man macht über ein sogenanntes „Opt Out“ gleich mal eine Sondervereinbarung mit jedem einzelnen Arbeitnehmer. Auch hier wieder: will Mensch nicht und andere schon, gerät jener, der nicht will unter Druck oder wird über kurz oder lang gekündigt. Möglichkeiten dazu gibt es viele. Im Übrigen braucht man ja nur die KollegInnen im Handel fragen, ob wirklich alle „freiwillig“ am 8. Dezember, der ja eigentlich ein Feiertag ist, arbeiten wollen.

Hier wäre die Gewerkschaft, aber auch jede einzelne ArbeitnehmerIn gefordert, aufzustehen. Wir ArbeitnehmerInnen stellen unsere Arbeitskraft gegen Entlohnung für eine gewisse Anzahl an Wochenstunden zur Verfügung. Sklaven sind wir aber (noch) nicht.

Und noch etwas ist wichtig: bisher konnte man auch schon 12 Stunden am Tag arbeiten, aber dies waren über die Normalarbeitszeit hinaus Überstunden. Bei einer freiwilligen Aufstockung der Tagesarbeitszeit würden diese Überstunden entfallen. Sprich: Mensch bekommt weniger am Monatsende – und für die Pension ist das Ganze auch nicht anrechenbar (weil höher bezahlt als normale Arbeit). Perfekter Deal für die UnternehmerInnen.

Dies gilt es zu verhindern. Sollten wir ArbeitnehmerInnen uns dies ohne Widerstand aufs Aug drücken lassen, geben wir den ArbeitgeberInnen alle Möglichkeiten uns weiter zu beschneiden. Denn eines ist sicher: die Schrauben werden dann schnell höher gedreht. Flexible Arbeitszeit wird dann bedeuten, daß wir den Dienstgebern immer dann zur Verfügung stehen, wann er uns braucht – und wo er uns braucht. Mit dem neuen Wiener Bedienstetengesetz, wo der Berufsschutz zuungusten eines Einkommensschutzes getauscht wurde, kann die Stadt Wien zum Beispiel schon flexibel Personal verschieben – und Geld sparen, denn Mensch kann damit bis zu 12% Einkommen verlieren.

Der Erste Mai ist somit eine Möglichkeit, dagegen aufzustehen und klar und deutlich NEIN zu sagen. Wir müssen es nur tun – unabhängig von Parteipolitik. Hier geht es um unsere Zukunft, nicht um jene von Parteien oder Organisationen.

https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/211/Seite.2110013.html

https://diepresse.com/home/innenpolitik/5334384/SchwarzBlau-beschliesst-12StundenArbeitstag

https://derstandard.at/2000078682931/12-Stunden-Tag-Strache-kuendigt-Regierungsvorschlag-ueber-Sommer-an

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