Für uns gilt es, zu informieren, wachsam zu bleiben, aufzurütteln, auf das sich so etwas wie den Holocaust – egal in welcher Konstellation oder mit welcher Bevölkerungsgruppe – bei uns nie mehr wiederholen darf. Das ist auch und vor allem unser Auftrag als Gewerkschafter und Mensch. Daher nehmen wir dieses Datum, um Mensch darauf zu sensibilisieren.

Der 14. Mai 1948 ist eng mit der jüngeren Geschichte des Nahen Ostens verbunden, denn dieser Tag markiert die Gründung des Staates Israel. An diesem 14. Mai endete das britische Mandat über Palästina gemäss dem Sykes-Picot Abkommen von 1916 und es versammelten sich jüdische Politiker im Stadtmuseum von Jerusalem. David Ben Gurion verkündete unter dem Bildnis von Theodor Herzl den unabhängigen Staat Israel.

Wie kam es zu dieser Staatengründung und was waren die Gründe? Interessierte Menschen wissen, daß es in Europa seit jeher einen latenten Antisemitismus gibt. Was auch immer passierte, die Juden waren daran schuld – eine Minderheit auf die man prima hinschlagen konnte. Historisch gesehen wird dieser Antisemitismus der „Christusmörder“ von der katholischen Kirche seit 2.000 Jahren gepflegt und alle paar Dekaden wieder hervorgeholt. Dies hat allerdings weniger religiöse Gründe, denn das Alte Testament und damit die Hälfte der Bibel entstammen ja der jüdischen Thora, sondern haben vielmehr politisch-wirtschaftliche. Die Kirche als durchaus weltliches Großunternehmen wollte keine Konkurrenz von ebenso tüchtigen Geschäftsleuten.

Eifersüchtig wachte sie darüber, ihren Einfluss bei den europäischen Königs- und Fürstenhäusern nicht zu verlieren, ihre gesamte Politik beruhte darauf, Herrscher und Volk zu lenken. Da ist es natürlich nicht angenehm, wenn es Fürsten gibt, die sich von dieser erdrückenden, weil allumfassenden Umklammerung zu befreien suchten und ihre Ratgeber und Financiers von woanders herholten. Ironischerweise hatte sich die Kirche diese Konkurrenz selber herangezogen, durften Juden doch auf ihr Geheiß jahrhundertelang nur jene Berufe und Gewerbe ausüben, die als „unehrenhaft“ galten: Goldverkauf, Geldverleih, Handel mit Tand, Kurpfuscherei. Damit schaffte man sich aber eine Konkurrenz, die übermächtig zu werden drohte und die eigene Monopolstellung in der Geschäftswelt der damaligen Zeit in Frage stellte. Also packte man die Keule der „Christusmörder“ wieder aus – das größtenteils ungebildete weil dumm gehaltene Volk schluckte es und Fürsten, die sich bei jüdischen Geldgebern verschuldeten, nahmen dieses Feindbild gerne auf. Man sagt, daß König Richard Löwenherz alle Juden in der Grafschaft Nottingham hinrichten ließ, weil er seine Kriegsschulden (er finanzierte durch sie den Dritten Kreuzug) nicht mehr zahlen konnte – die Beispiele kann man endlos weiterführen. Auch während der Pestepedemien in Europa waren in den Juden schnell die Schuldigen gefunden. Ähnliches galt auch bei uns.

In Wien wurden die jüdischen Geschäftsleute auch bald zu erfolgreich und so mussten sie  1420 die Stadtmauern verlassen und siedelten sich in der heutigen Leopoldstadt an – einige gingen auch ins Burgenland oder weiter nach Osten, wo sie auf ihre östlichen Glaubensbrüder trafen, die dort lebten. Die Türkenkriege und der Aufbau der verwüsteten Gebiete änderte dies langsam. Durch das erweiterte Toleranzpatent von 1782/83 konnten sie endlich ihren Glauben frei ausüben und wurden langsam ein Teil der Wiener Gesellschaft. Gegen Ende des 19. Jahrhrhunderts hatten die Juden Wien dermassen mitgestaltet, daß es seine heutige Form angenommen hat. Viele große Bauten und Straßen wären ohne jüdisches Kapital, ohne jüdische Bauherren und ohne jüdischen Geschäftssinn nie entstanden. Speziell auf der ehemaligen „Mazzesinsel“ mit ihren vielen (ehemaligen) Bahnhöfen die die Versorgung der Bevölkerung sicherten, kann man dies gut sehen.

Jetzt ergab sich erneut das alte Problem: sie waren eine zu große Konkurrenz für ihre Mitwerber. Was macht man deshalb? Man verbindet den damals aufkommenden (Deutsch)-Nationalismus mit Antisemitismus – das altbewährte Spiel beginnt von vorne. Vor allem Bürgermeister Lueger war in dieser Hinsicht ein sehr abschreckend-bekanntes Gesicht, welches diesen neu angefachten Antisemitismus nach außen trug. Ein anderer Prominenter dieser Zeit war Georg von Schönerer, der als geistiger Ziehvater Adolf Hitlers gilt. Dabei ging es ihm vordergründig nicht einmal um den Glauben sondern um den politischen Einfluss den das jüdische Großbürgertum – und wir hören dies heute noch in Verbindung mit der Familie Rothschild oder George Soros – hatte. Er prägte übrigens auch den Begriff des „Politischen Katholizismus“, der heute gerne in abgewandelter Form – nämlich als „Politischer Islam“ von den Politikern und Gazetten verwendet wird. Damals wurde in den Wiener Salons des jüdischen Großbürgertums – siehe den Beitrag „Die Saloniéren von Wien“ fleißig „Hinterzimmerpolitik“ gemacht, wobei natürlich auch immer Geld floß.

Auch störte die Wiener die intellektuelle Stärke der jüdischen Bevölkerung. Vieles, das heute als „typisch wienerisch“ gilt wie die Secession, der Jugendstil, die Kaffeehausliteratur oder der Beginn des Films wurde von jüdischen Künstlern getragen – ein Zustand der den damals nationalistisch aufgeheizten Menschen nicht passte. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges erreichte dieser Antisemitismus seinen vorläufigen Höhepunkt. Wer die Werke Schnitzlers genau liest, kann sich ein gutes Bild davon machen.

Natürlich gab es eine Gegenreaktion des politisch interessierten, finanziell unabhängigen jüdischen Großbürgertums. Visionen eines eigenen Staates rund um die alte Hauptstadt Jerusalem entstanden, vor allem die Zionisten unter Theodor Herzl formierten sich. Sein Buch „Der Judenstaat“ sorgte 1896 für Aufsehen unter Europas Politikern. Ein Anfang für einen eigenen Staat war gemacht. Dann kam der Erste Weltkrieg und eine Neuordnung der Welt bahnte sich an. 1916 setzten sich Briten und Franzosen zusammen um die Nachkriegsordnung – auch im Nahen Osten – festzulegen, sie fuhren mit dem Lineal über die Landkarten und gaben den Ländern die größtenteils noch heute existierenden und umkämpften Grenzen. Ein Jahr später gab der britische Außenminister Lord Balfour gegenüber Baron Rothschild eine Willenserklärung ab, wonach die Juden im historischen Palästina einen eigenen Staat bekommen sollten. Chaim Weizmann, später erster gewählter Präsident Israels, bereitete diese Deklaration vor.

Es dauerte aber noch über 30 Jahre ehe diese Deklaration umgesetzt wurde. Inzwischen war das Dritte Reich mit seiner Vernichtungsaktion gegenüber den jüdischen Mitbürgern – rund 6 Millionen von ihnen sind neben anderen so genannten „minderwertigen“ oder „lebensunwerten“ Menschen industriell vernichtet worden und die – geschockte – politische Gesellschaft reagierte endlich. Gab es schon in den 20er und 30er Jahren eine von den Briten stillschweigend geduldete jüdische Migration nach Palästina, so legte die UNO Resolution 181 vom 29. November 1947 ein Existenzrecht Israels auf dem historischen Boden Palästinas fest. Sie folgten damit einer von der Peel-Kommission bereits 1937 empfohlenen Teilung des Landes in einen jüdischen und arabischen Staat.

Mit der Gründungserklärung Israels begann aber sofort der – mit Unterbrechungen – bis heute dauernde Kampf zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung. Zwar gibt es mittlerweile mit der UN Resolution 242 einen „offiziellen“ Teilungsplan Palästinas, der aber von vielen Staaten der Arabischen Liga bis heute nicht anerkannt wird, die aus den Gebieten geflohenen oder vertriebenen Palästinenser erkennen ihn bis heute genausowenig an. Die Intifada ist ein Produkt dieses latenten Kriegszustandes. Bis heute kann sich Israel nur mit  Hilfe der USA militärisch gegen die Übermacht der arabischen Staaten behaupten, die in bisher 5 Kriegen und vielen kleinen Scharmützeln und Guerillaaktionen diesen Staat vernichten wollen. Nur mit Ägypten 1978 in Camp David und Jordanien 1994 wurde ein Friedensvertrag geschlossen. Dafür kam 1979 der Iran als Erzfeind hinzu, dessen erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist.

In Österreich kann man sich zum Glück nicht vorstellen, wie es ist, wenn ein Staat, der in etwa so groß wie Wien, Niederösterreich und Burgenland ist (nämlich 22.000 qkm) und mit einer Bevölkerung die jener Gesamtösterreichs gleicht, sich seit 80 Jahren quasi im Kriegszustand befindet und welche Auswirkung dies auf Gesellschaft, Politik und Wirtschaft hat. Mensch lebt immer in dem Wissen, daß die nächste Bombe, die nächste Granate treffen könnte oder der gerade vor einem gehende mit einem Messer oder einer Pistole bewaffnete Mensch einem nach dem Leben trachtet, wissend, daß man sich in jeder grösseren Menschenansammlung in Gefahr befindet, von einem Selbstmordattentäter in den Tod gerissen zu werden. Dazu kommt noch der latente Antisemitismus, der sich auch heute wieder verbreitet – Stichwort Orbans Kreuzzug gegen George Soros, die Faselei vom Finanzjudentum der Wall Street und ähnliche Verklausulierungen ähnlich jenen des Nationalsozialismus – und von österreichischen Politikern und deren Parteigänger salonfähig gemacht wird, als ob es den Nationalsozialismus nie gegeben hätte.

Doch es hat ihn gegeben und wir sollten aus unserer jüngeren Geschichte, die einige Menschen in Österreich noch miterleben mussten, unsere Lehren ziehen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Herzl

https://de.wikipedia.org/wiki/Balfour-Deklaration

https://de.wikipedia.org/wiki/Existenzrecht_Israels

https://de.wikipedia.org/wiki/Israel#1948:_Gründung_des_Staates_Israel

https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_von_Sch%C3%B6nerer

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