Wir arbeiten gerne – manche von uns brennen sogar dafür. Mitunter auch nach vielen Dienstjahren, sogar bis zur Pension. Aber was läuft schief, dass uns unsere Arbeit immer mehr krank macht und die Arbeitsfreude auf der Strecke bleibt?

Ein Job, der glücklich und zufrieden macht, ist für viele ArbeitnehmerInnen wohl die schönste Vorstellung vom Berufsleben. Man geht jeden Tag mit Freude zur Arbeit, erledigt seine Aufgaben mit Motivation und Ehrgeiz, kommt gut mit den KollegInnen klar und hat das Gefühl, sich für genau den richtigen Job entschieden zu haben. Doch welche Faktoren sind dafür verantwortlich, dass MitarbeiterInnen bei der Arbeit glücklich sind? Das hängt zum Teil sicherlich von persönlichen Prioritäten ab, doch eine große Studie hat sich nun genau dieser Frage gewidmet und zeigt, was im Job wirklich glücklich macht:
Jan-Emmanuel De Neve und George Ward von der London School of Economics and Political Science haben in ihrer Studie europaweit mehr als 20.000 Menschen befragt, um herauszufinden, was am Arbeitsplatz glücklich macht – und das haben sie dabei herausgefunden:

  • Eine gute Bezahlung: Immer wieder gibt es Streitigkeiten darüber, ob Geld wirklich ein wichtiger Faktor ist, der zu mehr Glück im Job führt. Die
    Studie zeigt: Je höher das Gehalt ausfällt, desto glücklicher sind ArbeitnehmerInnen im Schnitt.
    Bietet der/die ChefIn also eine Gehaltserhöhung an, wirst du im Anschluss mit deinem Job wahrscheinlich zufriedener sein und dich wertgeschätzt fühlen.
    Die Bezahlung sollte allerdings nie allein betrachtet werden. Stimmt sonst in einem Job absolut gar nichts, macht ein gutes Gehalt allein auch nicht glücklich.
  • Ein ausgeprägtes Mitspracherecht: Nur rumkommandiert werden und Anweisungen ausführen – das macht auf Dauer niemanden im Job glücklich. Anders sieht es aus, wenn im Job ein Mitspracherecht besteht und auf Entscheidungen Einfluss genommen werden kann. In diesem Fall sind MitarbeiterInnen zufriedener.
  • Eine abwechslungsreiche Tätigkeit: Langeweile und Routine machen dem Glück im Job einen Strich durch die Rechnung. Glücklicher ist, wer verschiedene Aufgaben erledigen kann, viele neue Dinge kennenlernt und auch sein Wissen und seine Fähigkeiten erweitern kann.
  • Eine gute Work Life Balance: Der Beruf ist ein wichtiger Teil, darf aber nicht zum Alleinherrscher über das gesamte Leben werden. Glücklich im Job sind die, die auch nach Feierabend einen Ausgleich haben und dabei sowohl Zeit als auch die nötige Energie haben, um noch etwas zu unternehmen.
  • Ein gues Betriebsklimat: Wer ständig Streit mit den KollegInnen hat oder sich aus der Gruppe ausgeschlossen fühlt, kann kein positives Bild vom Job haben. Ein gutes Betriebsklima mit freundlichen und hilfsbereiten KollegInnen macht den Arbeitstag jedoch gleich spaßiger und ArbeitnehmerInnen sind zufriedener.
  • Eine aussichtsreiche Position: Gute Leistungen sollten sich irgendwann auch auszahlen. Aufstiegs​chancen sind deshalb ein wichtiger Glücksfaktor im Beruf. Hast du auch nach Jahren noch nicht einmal eine höhere Stellung in Aussicht, führt das zu Frust.
  • Eine sichere Festanstellung: Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der Studie: Schon einen sicheren Job zu haben, trägt enorm zu einem glücklicheren Leben bei. Wer befürchtet, dass sein Job in Gefahr sein könnte, ist sofort unglücklicher und rutscht man wirklich in die Arbeitslosigkeit, kommt mit ihr auch eine Unzufriedenheit, die sehr lange anhalten kann.

Diese Ergebnisse unterstützen unsere eigenen Erkenntnisse: Seit einem Jahr befragen wir als KIV die MitarbeiterInnen der Stadt Wien in unterschiedlichen Magistratsabteilungen und im Krankenanstaltenverbund zu ihren Arbeitsplätzen und dem verbunden Glück oder Unglück.
Mit fast 3000 MitarbeiterInnen konnten wir bisher persönlich in Kontakt kommen, welche sich auch die Zeit genommen haben, uns einen Einblick in ihr Arbeitsleben zu geben.
Unsere Befragung hat ergeben: Unglücklich macht die meisten KollegInnen eine negative Stimmung an der Dienststelle. 37 Prozent gaben an, dass sie ein schlechtes Klima stört. Auch mangelnde Wertschätzung (36 Prozent) und ungenügende Kommunikation (34 Prozent) machen unglücklich.

Das haben unsere Befragungen von fast 3000 MitarbeiterInnen ergeben

Ständiger Termindruck, schlechtes Arbeitsklima, emotionaler Stress – die KollegInnen (auch Führungskräfte finden sich darunter) fühlen sich im Arbeitsalltag unter Druck. 86 Prozent der befragten Arbeitnehmer leiden unter Belastungen am Arbeitsplatz, bei den 18-39-Jährigen sind es sogar 91 Prozent. Dabei liegen die drei genannten Faktoren auf den ersten drei Plätzen. Knapp dahinter fühlen sich 33 Prozent der Befragten von Überstunden belastet, je 30 Prozent leiden unter der ständigen Erreichbarkeit und hohem Erfolgsdruck. 26 Prozent der Befragten nannten monotone Aufgaben als belastenden Faktor. Zwar weniger verbreitet, als die anderen Faktoren, aber mit 20 Prozent immer noch erschreckend hoch, ist das Mobbing. Jede/r Fünfte fühlt sich also durch das Verhalten seiner/ ihrer KollegInnen belastet.
Deswegen fordert die KIV jetzt die Altersteilzeit, 30% mehr Personal und eine Dienstplangarantie.
Seit Jahren fordert die KIV schon die Altersteilzeit, die es älteren KollegInnen ermöglichen soll, ihr Arbeitspensum im Alter zu verringern, um so gesünder in die Pension zu gehen und in den letzten Jahren trotzdem noch leistungsfähig und mit mehr Freude in die Arbeit zu gehen.
Ebenfalls seit Jahren fordern wir eine Aufstockung des Personals um 30% in allen Dienststellen. Nur so können Ausfälle durch Krankenstände, Urlaube und Karenzierungen ausreichend aufgefangen werden.

Was uns besonders wichtig ist: Wir fordern eine Dienstplangarantie. In vielen Dienststellen halten Dienstpläne nicht einmal einen Tag – in der Früh werden sie ausgemacht, am Abend ist wieder alles anders. Wir wollen Planbarkeit, wir wollen Sicherheit. Wir wollen unsere Freizeit gestalten können und unseren Tag mit unseren Kindern und unserer Familie organisieren können! Vor allem für die Teilzeitbeschäftigten muss das so schnell wie möglich umgesetzt werden!

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