Ein Dienst im Leben eines Sanitäters und Personalvertreters bei der Wiener Berufsrettung.

Um 5 Uhr wirft mich mein Wecker aus den Federn. Kurz duschen, Zähneputzen und anziehen. Noch rasch eine kleine Runde mit dem Hund gehen. Schnell einen Tee trinken und dann ab in die Arbeit. Gedanken gehen mir durch den Kopf: „Was wird der heutige Dienst wiederbringen? Ist diesmal vielleicht ein bisschen weniger zu tun? Kann man wenigstens in Ruhe seine Essenszeit abhalten und seine Notdurft verrichten? Was haben sich die Vorgesetzten, auf der Station in den letzten 4 Tagen wieder für „nutzlose Verbesserungen“ einfallen lassen? Wie viele Stationsführer kann ich diesmal begrüßen – 1, 2, oder gar wieder 4?“

Wenn man bedenkt,

dass wir seit 2016 zu zweit Dienst auf dem Rettungswagen versehen und dann zwei oder mehr Kollegen sich die Arbeit des Stationsführers teilen, steigt den KollegInnen vom Fahrdienst die Zornesröte ins Gesicht. Aber damit habe ich mich persönlich schon abgefunden. Nicht nur einmal haben wir von der Personalvertretung auf diesen Missstand hingewiesen. Es wurde uns zwar stets Recht gegeben, aber geändert hat sich nur wenig. Vielleicht ist es ja auch nur auf meiner Station so, da wir ja in Simmering die Hauptstation im Süden sind und da natürlich mehr Arbeit anfällt. Nein, nein das ist natürlich ein absoluter Unsinn, aber so versuche ich mich halt selber zu beruhigen. Aber was soll es, man muss wissen, wann man aufhört, sich über Sachen aufzuregen, die man nicht verändern kann, nicht einmal als Personalvertreter.

Um 6.35 Uhr parke ich mein Fahrzeug auf den naheliegenden Lidl-Parkplatz. Schnell noch die Parkkarte hinter die Windschutzscheibe und dann ab auf die Station. Dabei fällt mir gleich wieder das ewige Parkplatz „Problem“ ein. Vor dem Bau der Rettungsstation Simmering, waren wir in einer Wohnung im angrenzenden Gebäude des ÖHTB untergebracht. Uns wurden Parkplätze für unsere privaten PKWs auf dem neuen Stationsgelände zugesagt. Nur waren das leider leere Versprechungen, denn anstatt der Parkplätze wurde dort eine Wiese mit ein paar Bäume angelegt. Auf Interventionen der KIV-Personalvertretung wurde uns dann zugesichert, dass wir nach einem Jahr auf der Wiese parken dürfen. Auch die Verlegung von „Rasensteinen“ wurde angedacht. Diese Idee wurde aber bald wieder verworfen, da diese Wiese als Grünland umgewidmet wurde und so eine Parkplatzbenutzung natürlich nicht möglich ist.

Ein sehr engagierter Vorgesetzter,

der auch im Gemeinderat tätig ist, konnte sich mit der Fa. Hofer auf eine Parkplatzbenutzung einigen. Nachdem aber der Regionsleiter der Firma ausgetauscht wurde, war diese Regelung wieder hinfällig und wir mussten uns wieder einen Parkplatz in der Umgebung suchen. Während der umfangreichen Bauarbeiten in der nahen Umgebung der Station, wurde eine Parkplatzbenutzung bei der Fa. Lidl ausverhandelt. Weil man jedoch nicht weiß, wie lange wir den Parkplatz dort nutzen dürfen, gab es immer wieder Gespräche mit unserem Abteilungsleiter und Rettungsdienstleiter, um eine zukunftssichere Lösung zu finden. Nun wurde ihrerseits der Vorschlag gemacht, dass wir uns in die Einsatzgarage, gegen eine kleine Parkgebühr, stellen dürfen. Gegen diese Lösung wurde aber bald schon von Seiten einiger Stationsführer gegengesteuert, da diese bis dato umsonst ihren PKW in der Einsatzgarage hatten abstellen dürfen. Mit den sehr einfallsreichen Begründungen, wie: „Historisch gewachsen“, „Das war immer schon so“, oder „Ich bekomme ja nichts dafür bezahlt, wenn ich in der Früh ununterbrochen das Tor aufmache“, wettern manche Vorgesetzten gegen diese Regelung. Bei solchen Äußerungen wird mir als Personalvertreter immer ganz heiß. Anstatt dass wir miteinander versuchen, das Bestmögliche für alle Bediensteten umzusetzen, gibt es immer ein paar Kollegen, die auf ihre bisherigen Privilegien pochen und das oft nur aus reinem Geltungsdrang.

Nach dem Betreten der Station, folgt die Begrüßung des Stationsführers. Heute wieder der BEIDEN Stationsführer, da sie wieder einmal zu zweit Dienst versehen. Kurzer Blick auf die Alarmierung – alle Fahrzeuge auf der Straße, so wie meistens. Kurzer Smalltalk mit den Stationsführern und dann ab in die Garderobe im 1. Stock. Nach dem Umziehen noch rasch einen Kaffee trinken, mit den Kollegen vom Nachdienst einige Probleme bequatschen und dann geht es um 7 Uhr zur Fahrzeugkontrolle. Kontrollzettel ausfüllen, vom Stationsführer unterschreiben lassen und in dem dafür vorgesehenen Ordner ablegen. Um 7:12 geht es zum ersten Einsatz. Diagnose: „Sprachschwierigkeiten zwischen den Atemzügen“. Berufungsort: Franz Kocistr. Im 10. Bezirk. 74. Jahre weiblich. Mit Blaulicht machen wir uns auf den Weg. Wieder gehen mir einige Gedanken durch den Kopf. „Sind jetzt schon alle Fahrzeuge der Stationen Favoriten und Arsenal draußen? Das fängt ja schon gut an, wird sicher wieder ein starker Dienst…“

Nachdem wir uns

14 Minuten durch den Frühverkehr gekämpft haben, kommen wir am Einsatzort an. Mit Laptop und dem über 15 kg schweren Rettungsrucksack geht es zu zweit in Richtung Wohnung. Dort angekommen treffen wir auf eine Patientin die seit einer Woche unter einer Verkühlung leidet. Blutdruck, Temperatur, Sauerstoffsättigung, Blutzucker und Herzfrequenz wird überprüft. Alles im Normbereich, aber da wir natürlich keine Lungenentzündung ausschließen können, entschließen wir uns dazu, die Patientin in ein Krankenhaus mit zu nehmen. Noch schnell der Patientin beim Anziehen behilflich sein, ein paar Sachen zusammengepackt, dann ist auch schon der Kollege mit dem Tragsessel zurück in der Wohnung. Die Patientin auf den Sessel gesetzt, angeschnallt und dann zu dem Rettungswagen gebracht. Dort angekommen wird die Patientin auf die Trage gelegt und im Fahrzeug mit Hilfe von unserem Defibrillator überwacht (Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung).

Schnell noch am Fahrzeugcomputer nachgeschaut, welches Krankenhaus wir anfahren können. Krankenhaus Hietzing (Lainz) und Wilhelminenspital sind derzeit möglich. Na dann, auf nach Lainz. Wieder mühen wir uns durch den Frühverkehr. Im Krankenhaus angekommen, begebe ich mich in die Aufnahme. Dort die üblichen Fragen: Von wo kommt ihr her, sind nur wir offen, gibt es keine anderen Krankenhäuser usw. Der Aufnahmearzt begleitet mich zum Rettungswagen wo er die Patientin über ihre Probleme befragt. Wieder die üblichen sinnvollen Fragen: „Wie geht es Ihnen“, „Warum kommen Sie zu uns?“ Ich würde ihm Folgendes darauf antworten: „Weil es mir blendend geht, mir aber nur zu fad zu Hause ist“. Naja ich mache diese Arbeit ja auch schon sehr viele Jahre und kenne die Fragen schon in und auswendig. Trotzdem amüsiere ich mich jedes Mal auf‘s Neue darüber. Nach der mehr oder weniger geistreichen „Fragestunde“ geht es zurück in die Aufnahme, wo der Arzt nun telefonisch versucht, ein geeignetes Krankenbett ausfindig zu machen.

Wieder vergehen etliche Minuten.

Dann noch schnell einen Aufnahmeschein ausgedruckt und ab geht es Richtung Station. Patientin ausladen, auf das Gepäck nicht vergessen, Fahrzeug versperren und ab in den Aufzug. Auf der Station angekommen, bemühen sich die Krankenschwestern um ein Bett. Das Bett ist leider noch nicht fertig überzogen, ihr müsst noch ein wenig warten, wird uns mitgeteilt. Nach 10 Minuten ist es dann endlich soweit, wir können die Patientin in das Krankenbett legen. Einsatzprotokoll abgeben und zurück zum Fahrzeug. Überzug von der Trage erneuern, Kabeln von der Überwachung verstauen. Einsatz am Laptop abschließen und einsatzbereit melden. Um 8.36 machen wir uns auf in Richtung unserer Rettungsstation. Nach einiger Zeit plötzlich ein bekannter Ton, der nächste Einsatz. Wiedner Hauptstraße, Diagnose: Fremdsprachiger Anrufer, kein Dolmetscher verfügbar. Seit wann haben wir Dolmetscher in der Leitstelle? „Nicht nachdenken, einfach fahren“, sagt mein Kollege. Diese Diagnose kann alles bedeuten. Wieder gehen mir einige Gedanken durch den Kopf: Was nehmen wir in die Wohnung mit, ist der Patient verletzt oder krank usw. Am Einsatzort angekommen das übliche Prozedere. Laptop, Rucksack mitnehmen und auf in den 4. Stock, diesmal natürlich ohne Lift.

Die Türe öffnet uns der 12-jährige Sohn der Patientin. Wir fragen, wie wir helfen können. Die Patientin sieht uns nur ungläubig an, aber keine Antwort. Ich wiederhole noch mal die Frage, mit dem selben Ergebnis. Eine Freundin der Patientin antwortet nur: Viel krank. Die Patientin selber ist 34 Jahre alt und spricht kein Wort Deutsch. Mit Hilfe des 12-jährigen Sohn, können wir feststellen, dass die Frau seit einer Woche unter leichten Rückenschmerzen leidet. Ich möchte ihr die üblichen Fragen stellen: „Waren Sie schon beim Hausarzt, warum rufen Sie erst heute an, wenn Sie schon so lange Schmerzen haben, warum sind Sie nicht selber in eine Spitalsambulanz gefahren…?“ Nein das lasse ich lieber, kenn ja schon zur Genüge die Antworten der Patienten, und ich will mich nicht darüber ärgern. Wir machen die üblichen Untersuchungen. Alles OK. Wir sagen der Patientin, dass sie den Hausarzt aufsuchen soll oder am Abend den Ärztefunkdienst anrufen kann, wenn es schlimmer wird. Warum nicht Spital, fragt mich ihre Freundin. Weil das Spital in diesem Fall völlig unnötig ist und solche Probleme eigentlich der Hausarzt lösen sollte. So jetzt noch schnell die Patientendaten aufnehmen, zusammenpacken und ab zum Fahrzeug.

Na probieren wir es noch einmal,

sagt mein Kollege und startet den Motor. Ich schließe den Einsatz ab und melde uns wieder Einsatzbereit. 16 Minuten später, wir befinden uns gerade in der Lindenbauergasse, nahe unserer Station. Der nächste Einsatz, 11. Bezirk Muhrhoferweg (an der Stadtgrenze zu Schwechat). Eine schwangere Patientin mit Wehen, keine drohende Geburt. Eigentlich ein Krankentransport. Aber die Patientinnen rufen in solchen Fällen meist 144, anstatt einen Blick in den Mutter-Kind-Pass zu werfen. Dort steht nämlich meistens die Telefonnummer von einer Krankenbeförderung. Aber vielleicht haben die ja gerade kein freies Fahrzeug, oder der Kollege in der Leitstelle hat einfach nur auf den Fahrzeugvorschlag gedrückt. Da wird dann nämlich vom Computersystem das nächste freie Fahrzeug vorgeschlagen. Aber nur Rettungswagen und keine Krankenbeförderungsfahrzeuge, die sind ja in dem System nicht erfasst. Egal, Blaulicht an und los geht die Reise, wenigstens sehen wir ja jetzt unsere Station von außen.

Nach diesem Einsatz haben wir es auch mal auf die Station geschafft. Es ist bereits 12:15 Uhr. Ich frage telefonisch nach, ob es möglich ist, dass wir unsere Essenszeit machen können. Negativ, 100% Auslastung, lautet die Antwort des Kollegen aus der Leitstelle. Na gut, noch rasch das WC besuchen, da läutet schon wieder der Alarm. Rein in die Schuhe und auf zum nächsten Einsatz. Der Patient wartet bei der Straßenbahnhaltestelle auf uns. Ein alter Bekannter mit den üblichen „Beschwerden“. Heute möchte er mal wieder in das Psychiatrische Krankenhaus auf der Baumgartner Höhe gebracht werden. Meine übliche Frage an ihn: Warum fahren Sie nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Taxi?

Seine übliche Antwort:

„Weil ich immer mit der Rettung rauf gebracht werde“. „Wir sind doch kein Taxi mit Blaulicht“, merkt mein Kollege noch an. „Na gut dann fahrt ihr halt wieder und ich ruf noch einmal an, irgendein Rettungswagen führt mich schon“, erwidert der „Patient“. „Was soll‘s,“ denke ich mir. „Nehmen wir ihn mit, sonst sind wir in ein paar Minuten wieder da“. Nach diesem Einsatz frage ich nochmal wegen der Essenszeit in der Leitstelle nach, aber wieder dieselbe Antwort. Der nächste Einsatz folgt, 6. Bezirk, Mariahilferstraße. Nach diesem Einsatz, es ist bereits 15:05 ‚Uhr probiere ich es nochmal. Essenszeit möglich. Der Journalbeamte erwidert: Moment ich frag mal nach. Simmering 1 Mittagspause möglich? Kurze Zeit später: Tut mir leid, jetzt ist es zu spät. Ach ja unsere Essenszeit ist ja nur von 11-15 Uhr möglich. Na dann – Pech gehabt. Der nächste Einsatz lässt nicht lange auf sich warten. 16:22 Uhr – wir treffen auf unserer Station ein. Kurz was Essen, Gang zur Toilette und vielleicht noch ein rascher Kaffee? Der Kaffee geht sich leider nicht mehr aus, schon läutet es zum nächsten Einsatz, aber wenigstens konnten wir rasch etwas essen. In 16 Minuten kann man schließlich nicht alle Bedürfnisse befriedigen.

Während der Fahrt zum Einsatzort läutet mein Handy. Ein Kollege hat ein Problem wegen seinem Urlaub. Er kann nicht zu seiner gewünschten Zeit in Urlaub gehen. Ich habe schon mit unserem Rettungsdienstleiter über dieses Problem gesprochen, leider ohne erfreuliche Lösung. Seit der Umstellung in den 12,5-Stunden-Dienst stimmt der Ablösefaktor nicht mehr, deswegen haben wir in der Urlaubszeit bzw. bei vielen kranken KollegInnen einen Personalengpass. Das bedeutet, dass z.B. auf Stationen mit 8 Mitarbeitern nur 1 Urlaubslinie zur Verfügung steht. Wenn nun alle Kollegen 14 Tage im Sommer in den Urlaub gehen, ist von Anfang Mai bis Ende August die Urlaubslinie durchgehend belegt. Dass es da speziell bei KollegInnen mit schulpflichtigen Kindern zu Problemen kommt, liegt auf der Hand. Leider sind die Gemeindegesetze hier auch nicht hilfreich, denn darinsteht (wieso oft) – „Nur, wenn es der Dienst zulässt…“. Damit sind auch der Personalvertretung die Hände gebunden. Kurz nach Beendigung meines Gesprächs treffen wir am Berufungsort ein.

Nach diesem Einsatz

folgt der nächste und dann noch einer. Der Blick auf die Uhr verrät uns, dass das Dienstende naht. Es ist 18:32 Uhr. Nach kurzem Smalltalk mit den Kollegen im SMZ Ost geht es zurück in Richtung Station. Plötzlich der nächste Einsatz. Diagnose: Telefonreanimation im 11. Bezirk Am Kanal. Kein Notarzt verfügbar. „Kein Wunder bei den wenigen, die wir noch haben“, denk ich mir. Super und das um diese Uhrzeit. Die Tangente steht, meint mein Kollege. Mit Blaulicht und Folgetonhorn kämpfen wir uns über den größten abendlichen Parkplatz von Wien, der Wiener Südost Tangente. 20 Minuten später sind wir am Berufungsort eingetroffen. Wenn das mit der Telefonreanimation stimmt, ist es eh schon zu spät, sag ich zu meinem Kollegen. Laptop, Rucksack, Defibrillator und Absaugeeinheit geschnappt und rasch zum Patienten.

Am Funk hören wir, dass der Aspern Fiso (Fieldsupervisor) sich gerade ebenfalls aus dem 22. Bezirk zu uns auf den Weg macht. In der Wohnung angekommen, treffen wir auf eine 87-jährige, leblose Frau. Schnell den Defibrillator angeschlossen und (zu zweit) weiter mit der Reanimation. Eigentlich sollte man Laienreanimation sagen, denn zu zweit kann man nur die Basis Reanimation durchführen. Keinen Venenzugang für notwendige Medikamente setzten und auch keine Intubation durchführen. Für was wir eigentlich die Ausbildung gemacht haben, frage ich mich gerade. Wo sind die Zeiten wo wir noch zu dritt unterwegs waren und auch der Notarzt gleichzeitig mit uns ausgefahren ist? Da hatten wir 10 helfende Hände beim Patienten zu Verfügung (4 SanitäterInnen und ein Notarzt). Da war die Versorgung der Patienten erstklassig.

Nach 15 Minuten Reanimation

noch immer keine Verbesserung, also weiter reanimieren. 26 Minuten nach unserem Eintreffen hören wir am Funk, dass der AKH Notarzt zu uns unterwegs ist. Kurz darauf trifft der Fieldsupervisor bei uns ein. 25 Minuten danach der AKH NNotarzt. Der Notarzt kann nur noch den Tod der Patientin feststellen. Wieder beschäftigen mich einige Gedanken: Hätte die Frau gerettet werden können, wenn ein Rettungsmittel schneller bei ihr gewesen wäre? Wenn der Fahrzeugstand endlich an die Einwohnerzahl angepasst werden würde und wir dadurch nicht mehrmals am Tag 100% Auslastung haben? Auch die Einsparungen bei den NotärztInnen sind eigentlich schwer fahrlässig.

Wenn dann auch noch von unserem Pressesprecher alles dementiert werden muss, weil bei der Wiener Berufsrettung ja alles in Ordnung ist und wir an jedem Einsatzort in 10-12 Minuten sind, könnten Manche von uns „waagrecht kotzen“. So schaut es nämlich nur theoretisch aus und das auch nur, wenn sich immer ein Fahrzeug auf der Station befindet. Praktisch ist das aber nur bei den seltensten Einsätzen der Fall. Ob der alten Dame in diesem Fall geholfen werden hätte können, sei dahingestellt. Aber was ist, wenn das einmal ein Kind mit einem Erstickungsanfall, oder ein Patient mit Kammerflimmern ist? Wenn es um jede Minute geht, dann sind wir wahrscheinlich auch zu spät. Das sind jetzt die zusätzlichen psychischen Probleme, denen sich die SanitäterInnen bei der Wiener Berufsrettung in Zukunft stellen müssen. Burn Out und andere psychische Erkrankungen werden in Zukunft sicher stark zunehmen, aber das ist der Dienstgeberin sicher genauso egal, wie die präklinische und klinische Versorgung der Wiener Bevölkerung. Das Wiener Gesundheitssystem wird zu Tode gespart und das obwohl die Probleme den Verantwortlichen bewusst sind.

Um 19:52 Uhr

treffen wir auf der Station ein. Jetzt noch das Fahrzeuginventar auffüllen, Geräte reinigen, uns waschen und umziehen. Plötzlich läutet wieder mein Handy. Ein Kollege von der Leitstelle möchte wissen, was ich über die bevorstehende Umstellung weiß. Meine Informationen sind da leider auch sehr spärlich. Ich höre von den involvierten Personen immer wieder eine andere Geschichte. Somit kann ich natürlich keine aussagekräftige Information weitergeben. Wieder komm ich mir so hilflos vor, Enttäuschung und Verzweiflung macht sich breit. Jetzt aber genug von der Arbeit. Abschalten und Runterkommen ist nun die Devise.

Um 20:38 Uhr verabschiede ich mich vom Stationsführer und den KollegInnen vom Nachtdienst. Beim Verlassen der Station ertönt der nächste Alarm. Das Blaulicht vom Simmering 1/ Nacht begleitet mich bis zum Lidl Parkplatz. Haben die Kollegen einen ruhigen Nachdienst oder fahren sie die ganze Nacht durch? Ich starte den Motor und probiere durch die Musik von meinem USB-Stick, auf andere Gedanken zu kommen. Gedanken die mich spätestens morgen Früh wieder einholen werden. Dann beginnt das Ganze wieder von vorne…

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