Wir fordern eine Aufwertung und gesellschaftlich anerkannte Etablierung der ersten Bildungsinstitution Kindergarten!

Der Kindergarten reduziert als Instrument für den Spracherwerb: Wieder einmal verstärkt sich der Eindruck, dass die elementarpädagogischen Bildungsinstitutionen von der Politik in ihrer Wichtigkeit nicht erkannt werden. Die ersten Bildungsschritte des Menschen sind zweifellos die Wichtigsten und im generellen Bildungserwerb betrachtet, die Prägendsten. Nicht nur der Spracherwerb ist grundlegend, wenngleich die Gesellschaft auch zu glauben meint, dass wenn „Deutsch“ gesprochen wird, alles andere von alleine kommt. Allein gelassen fühlen sich zwangsläufig jene Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Jüngsten unserer Gesellschaft nach bestem Wissen und Gewissen zu fördern, zu bilden und in ihrer Einzigartigkeit anzuerkennen.

Das „Bildungshaus“ steht auf einem wackeligen Fundament. Weder die Gruppengröße noch der notwendige Personalbedarf werden grundlegend und für die Kinder überarbeitet bzw. bereitgestellt. Alles soll „Neu und Besser“ werden, jedoch ohne ausgewiesene zusätzliche finanzielle und personelle Ressourcen – also bleibt es im elementarpädagogischen Bereich bei der Mängelverwaltung.

Schwerpunkt Ressourcenzuteilung:

Jedenfalls braucht die Stadt, und damit die Wiener Kindergärten, eine erhöhte finanzielle Ressourcenzuteilung des Bundes für die elementarpädagogischen Einrichtungen. Wenn die Stadt um etwa 30.000 BürgerInnen im Jahr wächst, so ist der Bildungszuschuss über die letzten Jahre viel zu gering ausgefallen. Es genügt nicht, in den Ausbau der Kindergärten zu investieren. Es benötigt eine Aufwertung der Tätigkeit, eine damit verbundene Attraktivität in diesen Berufsfeldern zu arbeiten und ein sicheres Budget, um qualitativ hochwertige Bildung anbieten zu können – also ein deutliches Mehr an Dienstposten und Flexibilität in der Bereitstellung von Arbeitsmaterialien und Bildungsmitteln.

Schwerpunkt Personal

Wir fordern ein klares Bekenntnis zu unterschiedlichen Berufsgruppen im elementarpädagogischen Bildungsbereich. Die Zukunftsgestaltung muss als erstes Ziel haben, dass Menschen gute Arbeitsbedingungen vorfinden und adäquat bezahlt werden. Die unstatthafte Diskussion, dass PädagogInnen und Assistenzpersonal nur ausgezeichnet sind, wenn jahrelange universitäre Schullaufbahnen ihren eigenen Bildungsweg dokumentieren, ist keine Garantie für ein lebendiges, nachhaltiges Bildungssystem. Es werden künftig nicht nur PädagogInnen im Fachbereich arbeiten können, welche sich mehr der Wissenschaft verschreiben, als noch mit den Kindern arbeiten wollen. Es braucht beides. Ohne Unterschied der Wertigkeit. Es soll ein Hand in Hand arbeiten sein – und nicht ein von oben nach unten geprägtes System.

Schwerpunkt MA 10

Unsere Führungskräfte – LeiterInnen – haben sich eine umfassende Managementausbildung, zusätzlich zu ihrer bereits pädagogisch absolvierten Ausbildung, verdient. Die jetzige Form der LeiterInnenbildung ist bestenfalls eine Sensibilisierung für Fachthemen. Will ich gut ausgebildetes Personal, muss ich bereit sein, zu investieren. Es kann nicht so sein, dass Aus-, Weiter- und Fortbildung zur Privatsache wird. Immer mehr Bildungsschritte sind in der Freizeit und auf eigene Kosten zu absolvieren. Das ufert immer mehr aus und wird leider viel zu oft als „normal“ angesehen. Immerhin übernehmen wir große Verantwortung gegenüber der Zukunft der Gesellschaft und das kann nicht zur Privatbespaßung werden. Grundsätzlich ist auch zu überdenken, ob es sinnvoll ist, LeiterInnen als eine Art von BuchhalterInnen einzusetzen. Die Organisation hätte mehr davon, wenn die Personalführung und Entwicklung an den jeweiligen Standorten von den LeiterInnen durchgeführt werden könnte – und zwar mit den dafür notwendigen, zeitlichen Ressourcen – und nicht nur so als Teil – nebenbei. Auch die Interaktion mit den ErziehungspartnerInnen, also den Eltern, wäre gehaltvoller und besser gestaltbar. Genauso braucht es zukünftig ein etabliertes Konfliktmanagement: Die Anforderungen werden sicher nicht geringer. Gerne wird von der Politik signalisiert, dass Bildung und Erziehung scheinbar nur noch „unsere Sache“ ist. Die Eltern wollen am Ende des Tages nur noch leistungsorientierte Erfolge sehen und schrauben ihre Individualansprüche in das scheinbar Unerfüllbare – bei den momentan vorhandenen Ressourcen und Möglichkeiten.

Aufgaben der Dienstgeberin und der Politik

Diese beiden Säulen müssen einen Schulterschluss zeigen, in dem transparent kommuniziert wird, was unsere Institutionen können und was sie dazu brauchen. Den schönen Schein nach außen hin weiterhin tragen und nach innen die MitarbeiterInnen über alle Maße in eine Pflicht nehmen, welche auch immer, bringt uns und die Kinder keinen Schritt weiter. Es ist Zeit, die Lage und die Forderungen anzusprechen, die nachhaltige und gute Bildung braucht. Möglicherweise hat unser Stadtrat, Mag. Jürgen Chernohorsky, auch weiterhin den Mut, offen Problemfelder anzusprechen – so wie bei seinem letzten Interview kurz vor Weihnachten in wien heute. Erst wenn ich Schwachstellen erkenne, kann ich diesen entgegenwirken. Und das Wissen um notwendige Veränderungen ist beim Fachpersonal in den Kindergärten überall abrufbar. Die Politik wird nur mit Beraterfirmen nicht weiterkommen – es braucht das Wissen und die Erfahrungen von den Menschen, die täglich vor Ort ihre Bildungsarbeit einbringen. Gebt uns endlich die Rahmenbedingungen, damit wir unsere Arbeit tun können!

Aufgaben der Personalvertretung und der Gewerkschaft

Die Interessenvertretungen müssen ihre Reihen schließen und vor, aber auch hinter den MitarbeiterInnen stehen. Es müssen noch deutlichere Worte gefunden werden, um Klarheit über die Notwendigkeiten zu transportieren. Die MitarbeiterInnen jammern nicht auf hohem Niveau, sondern fordern für die Kinder die Rahmenbedingungen ein, um zukunftsorientierte Bildungsarbeit leisten zu können. Sowohl die Bundesregierung, als auch die Stadt Wien will gut ausgebildete Menschen am Arbeitsmarkt haben – egal in welcher Sparte. Verdammt noch mal, dann ermöglicht uns, unsere Arbeit zu tun! Wir können Bildung vermitteln und haben großes Potential und Ausdauer. Investiert endlich dort, wo es notwendig ist. Nicht in Versprechen in Foldern und Plakaten, sondern vor Ort für die Kinder und für die MitarbeiterInnen, die ihr Bestes für die Zukunft der Bildung in dieser Republik geben!

Foto: osaba / Freepik

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