Der 12-Stunden-Tag

Die neue Bundesregierung hat bekanntlich einen Vorstoß zum 12-Stunden-Tag bzw. der 60-Stunden-Woche gemacht. Als Vorteile nannten sie eine flexiblere Arbeitseinteilung für ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen, Anpassung an die neuen Lebensmodelle und die Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit der DienstgeberInnen.

Was bedeutet dies aber für uns ArbeitnehmerInnen ? Es gibt in Östereich 1,4 Millionen Familien mit Kindern, sprich Mutter, Vater, Kind(er). Für sie alle ist es wichtig, innerhalb der Familie einen geregelten Ablauf zu haben. Das bedingt natürlich auch zeigtleiche Freizeit, um ein halbwegs intaktes Familienleben zu bekommen. Derzeit ist dies – natürlich mit Ausnahmen – in Österreich möglich. Die 40-Stunden-Woche bzw. der 8-Stunden-Tag garantieren dafür, daß Mensch genügend Zeit mit seinen Liebsten verbringen kann.

Mit einer von der Regierung angedachten Arbeitszeiterhöhung, verbunden mit sogenanntem flexiblen Arbeiten wird das schwieriger, vor allem dann wenn der Dienstnehmer sich nach Auftragslage oder anderen saisonalen Gegebenheiten richten muss bzw. auch die Wochenenden an der Arbeitsstelle verbringen muss. Die Planbarkeit des Familienlebens bzw. der Freizeit ist dann nicht mehr gegeben. Erschwerend würde dann hinzukommen, das sich beide Erwachsenen nicht akkordieren können, wenn sie in unterschiedlichen Bereichen zu unterschiedlichen Zeiten arbeiten müssen. Dazu kommt noch die Kinderbetreuung, die ziemlich kompliziert werden könnte.

Jeder der Kinder hat, weiß wie schwierig es schon heute ist, den Nachwuchs adäquat unterzubringen, soferne nicht ein Familienmitglied einspringen kann. Die klassische Familienbetreuung a la „die Oma is eh da“ verschwindet zunehmend, da auch die ältere Generation heute ein anderes Alterslebensmodell hat als noch vor dreissig Jahren. Pädagogische Einrichtungen haben derzeit noch fixe Öffnungszeiten, die sich nach den klassischen Arbeitszeiten, also von 7 bis 16.30 richtet. Arbeitet Mensch jetzt länger – wo bleiben dann die Kinder ? Alleine zu Hause ? Oder sollen die Kindergärten und Horte auch länger offen haben, um die längeren Arbeitszeiten der Eltern abzudecken ?

Da poppt dann auch das Problem auf, daß die Menschen, die in diesem Bereich arbeiten auch länger im Dienst sein werden. Das wird sie sicher „freuen“, weil dann ihr Privat- und Familienleben auch massiv eingeschränkt und beschnitten wird. Der Teufelskreis dreht sich weiter.  Wer sich einmal über darüber informieren will, wie freiwillig die KollegInnen im Handel an Sonn- und Feiertagen arbeiten dürfen, damit Mensch 24/7 seinem Konsumverhalten frönen kann, soll die Supermarktkassiererin oder den Schuhverkäufer seines Vertrauens fragen. Vielleicht aber auch ein Zeichen einer egoistischen Gesellschaft, die keine Grenzen und Regeln akzeptiert.

Ein weiterer Faktor, der von der Bundesregierung peinlichst verschwiegen wird, ist die Entlohnung für diese Mehrarbeit. Die ist bisher klar geregelt, man bekommt 1:1,5 bzw. 1:2 ausbezahlt. Weil es eben Überstunden, Feiertagsstunden oder Nachtarbeitsstunden sind, die extra zu bezahlen sind. In Österreich werden jährlich etwa 200 Millionen Überstunden geleistet, von denen etwa 1,3 bis 1,5 Milliarden EURO in Geld ausbezahlt werden. Die würden sich die Unternehmen dann sparen. Eine einfache wirtschaftliche Rechnung, denn bei einem 12-Stunden-Tag bzw. einer 60-Stunden-Woche mit Wegfallen der Feiertagsruhe müsste dann nur noch 1:1 ausbezahlt werden, sprich Mensch arbeitet mehr für weniger Geld.  Anders gesagt: Wenn es keine Überstunden mehr gibt, braucht man auch keine AK mehr, die im Falle des Falles für einen Rechtsbeistand zur Verfügung steht. Noch eine Fliege, die mit dieser Klappe geschlagen wird. So nach dem Motto: „Gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut !“

Und alleine das sollte eigentlich DAS Argument für jede DienstnehmerIn sein um eine solche Regelung abzulehnen, egal wie man zu den anderen Dingen steht oder wie flexibel man sein eigenes Lebensmodell ausgerichtet hat. Denn eines muss klar sein: wir stellen unsere Arbeitskraft gegen Bezahlung zur Verfügung und sind keine „Lohn“Sklaven. Ein Zurückdrehen der Zeit darf es nicht geben.

https://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5168988/Ueberstunden_Zeitausgleich-statt-Bezahlung

https://www.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/Arbeitszeit/SonderformenderArbeitszeit/Ueberstunden.html

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