Für Fotograf­innen ist es eine Binsenweisheit.

Sie wissen, dass nicht der erste Standort, nicht der erste Blick das beste Foto liefert. Sie bewegen sich, sie verändern sich, sie betrachten ihre Fotoobjekte aus verschiedenen Blickwinkeln. Innerhalb der Führungsebene des Magistrates der Stadt Wien scheint so eine Änderung des Blickwinkels nur schwer möglich.

Eher wird gezoomt, auf das Bild der zu überwachenden MitarbeiterInnen. Die Zementierung eines hierarchischen Systems bleibt an der Tagesordnung und das lässt sich auch nicht durch moderne Manage­ment­methoden wegleugnen. Es genügt nicht, von sozialer Dimension zu reden, diese muss gelebt werden. Und davon sind wir als Stadt Wien noch weit entfernt.

Geld regiert die Arbeitswelt

Wie schon den unterschiedlichen Printmedien zu entnehmen war, geht es die Stadt Wien und die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, Kunst, Medien, Sport, freie Berufe an: die Besoldungsreform. Mit Dezember 2012 wurde eine Arbeitsgruppe installiert, welche ein zeitgemäßes Besold­ungssystem entwickeln sollen. Die Eckpfeiler der Reform seitens der Gewerk­schaft sind in drei Punkten zusammenzufassen

  • Weniger Zulagen – Mehr Gehalt!
  • Zeitgemäße, faire, attraktive (Einstiegs-)Gehälter!
  • Mehr Gehaltsstufen!

Die Dienstgeberin hat bereits im Vorjahr eine externe Firma (Deloitte) beauftragt, das jetzige Besoldungssystem- und Dienstrecht der Stadt Wien hinsichtlich Stärken und Schwächen zu analysieren. Vorgeschlagen wurden: eine Vereinfachung des Zulagensystems, zeitlich an eine bestimmte Funktion gebundene Gehaltselemente, eine „Drehung“ der stark am Senioritätsprinzip orientierten Einkommenskurve. Anerkannt wird, dass die Stadt Wien „für einen Großteil der Funktionen eine marktnah.

Insgesamt wurden folgende Punkte unter die Lupe genommen: Konkurrenzfähigkeit der Stadt Wien als Arbeitgeber, Durchlässigkeit zur Privatwirtschaft, das Schema der Besoldung, Dienstpostenmanagement sowie Qualifikationsanforderungen. Was die Entlohnung betrifft, so ist die Stadt laut dem Beraterunternehmen durchaus ein attraktiver Arbeitgeber.

Bei „manuellen und routinegebundenen Funktionen“ werde ein „sehr gutes Einkommen, teilweise über dem Markt“ gezahlt, die Entlohnung bei techniknahen Funktionen aber – vor allem ohne Studium – teils stark unter dem Markt.

Die „geringe Anrechnung“ von Erfahrungsjahren schränke die Durchlässigkeit zum privaten Sektor ein, wird in der Studie beklagt. Insgesamt seien bisher „wenig Instrumente zur Leistungsdifferenzierung im System verankert“. Es sei daher auch „wenig motivatorische Wirkung durch Einkommensentwicklung“ vorhanden. Vorgeschlagen wird sogenannte „reversible Elemente“ im Besoldungssystem auszubauen.

Eine höhere Bezahlung solle für die Dauer der Übernahme einer Funktion begrenzt sein. In diesem Zusammenhang wird das bisherige System als zu starr kritisiert: Denn die Rückreihung beim Wechsel einer Funktion sei überwiegend nur mit Zustimmung der Betroffenen möglich. Es würden „einmal erworbene Rechte gefestigt“, zeigte die Analyse.

Zudem wird die im Vergleich zu anderen Organisationen „hohe Gendersensitivität und Gendergerechtigkeit“, also der Gehaltsausgleich zwischen Frauen und Männern, gewürdigt

… und jetzt der andere Blick

Am Umgang mit kranken, nicht arbeitsfähigen Bediensteten bzw. Beschäftigten zeigt sich der Charakter der Personalpolitik der Stadt Wien. Und er ist ein zentraler Aspekt, genauso wie die Einkommen, die Arbeitszeit oder Arbeitsbelastung. Jede/r von uns kann von Krankheit, auch von einer längeren oder einem Unfall betroffen sein. Wie würden wir uns einen menschenwürdigen, gerechten Umgang mit uns selbst vorstellen?

Nicht arbeitsfähige Bedienstete der Stadt Wien und Beschäftigte der vielen ausgegliederten Unternehmen stellen für so eine große Dienstgeberin wie die Stadt Wien natürlich eine große Herausforderung dar, insbesondere wenn die Budgets knapper werden und die Politik immer weitere Sparauflagen festlegt.

ABER: Genau dann müssen wir aber die Versprechen der Politik – Gerecht­igkeit gegenüber allen Bediensteten und Beschäftigten der Stadt Wien – und die Fürsorgepflicht einfordern. Es ist ja nicht so, dass die beruflichen Anforder­ungen, die Belastungen in der Arbeit, die Lebens­arbeitszeit und auch die gesellschaftlichen Belastungen geringer würden – im Gegenteil: Die Arbeitsbelastung ist gestiegen, weil zu viel rationalisiert und eingespart wird, weil wir zu lange arbeiten, weil es keine altersgerechten Arbeitsplätze uvm. gibt.

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