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Fragen an das Team- und Jurymitglied Jan Hestmann zu Schwerpunkten des Filmfestivals in Wiener Neustadt.

Das Festival Frontale feierte heuer sein fünfjähriges Bestehen. Kannst du etwas zur Entstehung und den Hintergründen des Festivals sagen?

Es ist uns darum gegangen, die Filmkultur in der Region, die immer ein wenig zu kurz kam, zu fördern. Filme abseits des Mainstreams zu erleben – dafür gab es nur wenige Angebote.

Bis vor Kurzem hatte Wiener Neustadt mit dem Zentralkino wenigstens ein Programmkino, mittlerweile nicht einmal mehr das. Umso wichtiger ist es, mit der Frontale ein Alternativangebot zu schaffen, das neben dem Konsum von Film auch den Diskurs darüber in den Mittelpunkt stellt.

In wieweit hebt Ihr euch von anderen Filmfestivals ab, die heuer auch noch stattfinden werden? Welche Schwerpunkte setzt Ihr?

Neben einer Auswahl an Langfilmen veranstalten wir alle Jahre einen internationalen Kurzfilmwettbewerb – damit setzen wir einen fixen Schwerpunkt auf dieses tendenziell unterrepräsentierte Format, das vor allem auch in dieser Region noch ein wenig beachtetes ist.

Generell ist uns das ausführliche Gespräch mit den Filme­macherInnen über ihre Arbeiten sehr wichtig. Das Publikum soll mehr darüber erfahren, was hinter den Filmen steckt, ob auf technischer oder inhaltlicher Ebene.

Wir erleben es auch immer wieder, dass aktuelle gesellschafts­politische Themen in unserem Programm widergespiegelt werden – wie dieses Jahr unter anderem auch die Wirtschaftskrise oder die Flüchtlingsthematik. Der internationale Charakter ist uns wichtig – uns erreichen Kurzfilme von Kanada über Südafrika bis Japan.

Dieses Jahr ging der Preis für den besten Kurzfilm an eine isländische Produktion – und der Produzent kam sogar extra nach Wiener Neustadt angereist. Gleichzeitig wollen wir aber auch österreichischen Produktionen ein größeres Publikum verschaffen.

Der österreichische Kurzfilm „Schattenboxer“ konnte gleich zwei Preise, bester Regionalfilm und Publikumspreis, mitnehmen. All diese Eigenschaften sind für die Region alles andere als selbstverständlich. Umso wichtiger, dass sich die Frontale als Fixpunkt in der regionalen Filmlandschaft positioniert, der nicht mehr wegzudenken ist.

Karl Markovics war als prominenter Gast bei Frontale dabei. Warum fiel Eure Wahl gerade auf ihn?

Karl Markovics und die Frontale haben gewissermaßen schon eine gemeinsame Geschichte. Bereits 2012 haben wir ihn eingeladen, als wir seinen Debütfilm ATMEN auf der Frontale präsentierten.

Kurzfristig musste er aber leider absagen, da er von einem Dreh in China nicht weg konnte. Ein Skype-Interview war aufgrund der Zeitverschiebung nicht möglich.

Da hat unser Festivaldirektor Reinhard Astleithner die Initiative ergriffen und einfach ein Live-Interview gefaked. Er hat Markovics ein Skript geschickt, in dem dieser Antworten auf Fragen zum Film gibt. Markovics hat das auf Video aufgenommen und uns geschickt. Vor Ort haben wir das Video dann abgespielt und dazwischen die Fragen gestellt. Bis zum Schluss hat das Publikum geglaubt, dass alles live wäre.

Am Ende haben wir den Streich natürlich aufgelöst. Das war ein Riesenspaß, aber wir sind dem Publikum einen „Live-Markovics“ schuldig geblieben. Den hat es dieses Jahr gegeben. Die Vorstellung war mehr als voll, das folgende Filmgespräch mit Markovics und seiner Hauptdarstellerin Ulrike Beimpold zum Film SUPERWELT war wirklich ergreifend. An diesem Abend hat einfach wirklich alles gepasst, es war ein Fest!

Bei Euch ging es auch politisch zu. Welcher Film stand heuer im Mittelpunkt?

Im Mittelpunkt steht nie ein spezifischer Film. Das Gesamt­programm muss funktionieren. Und ja, da wird es auch oft politisch.

Dieses Jahr zum Beispiel im österreichischen Dokumentarfilm ABENDLAND, in dem unter anderem ein Europa der Grenzen porträtiert wurde und wir Zeuge davon werden konnten, wie ein Gespräch abläuft, in dem Flüchtlinge durch das IOM (International Organization for Migration) rückgeführt werden.

Aber auch die Kurzfilme sind oft mit politischen Statements aufgeladen. Dieses Jahr hatten wir zum Beispiel einen griechischen Animationsfilm dabei, der auf drastische Weise Wirtschaftskrise und Klassenunterschiede behandelte.

Der Filmemacher konnte nicht nach Wiener Neustadt kommen, aber dafür hat er uns eine Videobotschaft geschickt – ein gängiges Feature auf der Frontale – in dem er dem Publikum seine Gedanken näher bringen konnte. Das ist nur eines von vielen Beispielen.

Im Rahmen der Frontale laufen Kurzfilmblöcke, die in einen Kurzfilmwettbewerb eingebunden sind. Welche Kurzfilme waren es in diesem Jahr?

Dokumentarfilme, Spielfilme, Experimentalfilme, Animationsfilme. Lustig, traurig, unheimlich oder gesungen – dem Kurzfilm sind wie seinem langen Gegenüber keine Grenzen gesetzt.

Auf der Frontale wurde auch im fünften Jahr wieder die ganze Palette geboten. Das Publikum konnte am eigenen Leibe erfahren, was Kurzfilm alles sein kann. Das Programm war sehr international, wir bekamen dadurch Einblicke in die unterschiedlichsten Ecken der Erde und in Alltagspraktiken, die uns fremd erscheinen und faszinieren können.

Oft kommt dabei auch die Erkenntnis, dass schon mit wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln großartige Filme entstehen können. Weil Kurzfilm so wunderbar niederschwellig und unmittelbar sein kann.

Weitere Kommentare über das zurückliegende Filmfestival könnt Ihr im Blog nachlesen und Euch ein Videointerview mit Karl Markovics und Ulrike Beimpold anschauen. Das Filmfestival Frontale fand heuer vom 14. bis 17. Oktober 2015 statt.

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