Wir leben in zornigen Zeiten: Hass­kommentare, Lügen­geschichten und Hetze verdrängen im Netz sachliche Wortmeldungen.

Die digitale Debatte hat sich radikalisiert, ein respektvoller Austausch scheint unmöglich. Dabei sollte das Internet doch ein Medium der Aufklärung sein: Höchste Zeit, das Netz zurückzuerobern.

Es braucht eine digitale Gesprächskultur, in der man unterschiedlicher Meinung sein kann und trotzdem fair bleibt, in der klar gegen verbale Untergriffe und Gewaltaufrufe vorgegangen wird. Jeder weiß, was sich im Netz abspielt. Viele HassposterInnen fühlen sich dabei offensichtlich sicher beziehungsweise behaupten, über die Strafbarkeit nichts zu wissen. Man sollte sie eines Besseren belehren.

Aktionen gegen Hasspostings

Die Zeitschriften profil und Kurier haben deswegen eine Aktion gegen Hasspostings gestartet, bei der sie sich für eine faire Debatte einsetzen. Unter dem Hashtag #GegenHassimNetz kann sich online jeder Bürger an der Aktion beteiligen.

Auch die Regierung hat nun unter dem Titel „Gelöschte Postings löschen keinen Hass – gemeinsam für mehr Zivilcourage im Netz“ eine Initiative gegen Hass im Netz gestartet. Bis zum Herbst soll ein Leitfaden erstellt werden, der Tipps und Ratschläge bieten soll, was man gegen Hasspostings unternehmen kann. Staatssekretärin Duzdar meint dazu:

„Meinungsfreiheit heißt nicht Narrenfreiheit, man muss diesen Dingen etwas entgegensetzen.“

Mit den Mitteln des Strafrechts allein werde man das Problem nicht lösen, daher auch die Kampagne.

An dieser sind gleich sechs Ministerien beteiligt, das Bundes­kanzleramt, das Frauenministerium, das Justizministerium, das Innenressort sowie die Ministerien für Jugend und Bildung. Laut Duzdar habe man Hasspostings gegen Flüchtlinge ebenso im Visier wie diskriminierende Übergriffe etwa gegen Frauen, auch unter Kindern seien diese Postings ein „ernstes Problem“. Die „Hasskultur“ zerstöre viel Empathie und hat damit großen Einfluss auf die Realität in der Gesellschaft. Hier darf mensch nicht tatenlos zusehen.

Auch Gemeindebedienstete sind immer öfter Opfer:

Auch als Gemeindebedienstete/r wird mensch immer öfter zur Zielscheibe von Kunden und Kundinnen. Oftmals sind via Facebook vernichtende, geradezu menschenvernichtende Postings zu lesen, sei es aus subjektiver Unzufriedenheit mit den Leistungen oder einfach nur als Wutventil.

MitarbeiterInnen würden sich gerade in solchen Situationen mehr Unterstützung durch die Dienstgeberin wünschen. Der Eindruck, dass immer nur der Kunde/ die Kundin im Recht ist, ist psychisch sehr belastend. Deshalb melden Betroffene immer öfter solche Angriffe erst gar nicht – in der Angst dann auch noch dienstliche Schwierigkeiten zu bekommen.

Das Netz ist aber auch ein Nebenschauplatz bei Konflikten im zwischenmenschlichen Bereich am Arbeitsplatz. Konflikte der Arbeit werden nicht sachlich ausdiskutiert, sondern mittels Facebook auf eine persönliche Ebene gebracht, die beleidigend und rufschädigend sind. Die Zahl der Alltagskonflikte, die durch soziale Netzwerke begünstigt, zu Mobbing führen, ist auch bei der Stadt Wien im Steigen.

Was tun

Wie kann man auf untergriffige Rhetorik reagieren? Wie entlarvt man Falschmeldungen oder Halbwahrheiten möglichst schnell? Was tun, wenn man im Netz gemobbt wird?

  • Sofort Screenshots der Postings machen, damit ein späteres „Löschen“ der Einträge nicht hinderlich ist
  • Kontaktaufnahme mit der Personalvertretung/ Gewerkschaft
  • Kurzes persönliches Protokoll zur Sachlage verfassen
  • Kontaktaufnahme mit Bedienstetenschutz/ Mobbingkommission
  • Information an unmittelbar Vorgesetzte/n

Bitte immer die Unterstützung der Personalvertretung bzw. Gewerkschaft in Anspruch nehmen. Gerade solch sensible Angelegenheiten sollten/ müssen nicht alleine bearbeitet und durchgestanden werden. Das Recht auf professionelle Unterstützung muss jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter haben. Nicht zuletzt, da unterschiedliche Postings auch strafrechtlich relevant sind.

Gemeindebedienstete dürfen nicht zum Freiwild in sozialen Netzwerken für unzufriedene KundInnen werden!

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