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Schulwart: Plädoyer für den „uninteressantesten Beruf“.

Psychoanalytikerin Rotraud Perner

Das Buch „Der vergessene Schulwart“ ruft zu einer größeren Wertschätzung für die Schulwarte und einer Aufwertung des Berufs auf.

„Schulwart zu sein ist so ziemlich der uninteressanteste Beruf, den man sich nur vorstellen kann.“ Es sind Aussagen wie diese, die im Buch „Der vergessene Schulwart“ der Psychotherapeutin Rotraud A. Perner kritisch hinterfragt werden. Es ist eine Art Plädoyer für eine größere Wertschätzung der Schulwarte und eine Aufwertung des Berufes.

In der Bildungsdiskussion wird stets von einer Lehrer-Eltern-Schüler-Partnerschaft gesprochen – dass auch Schulwarte Teil des Schulsystems sind, wird zumeist vergessen. Zu Unrecht, meint die Autorin. Denn die Schulwarte seien jene Mitarbeiter im schulischen Bereich, die den besten Überblick über die Geschehnisse außerhalb des Unterrichts haben.

Die Psychotherapeutin sieht die Schulwarte als „Ressource zur Förderung von Kindern und Jugendlichen“. „In einer Zeit, in der Lehrkräfte mit einer immer ,verhaltensoriginelleren‘ Schülerschaft konfrontiert sind und nach sozialer Unterstützung rufen […], erscheint es mir grob fahrlässig, die wichtige Zentrumsperson Schulwart als ,nur‘ Raumpflege- und Reparaturperson auf die unterste Stufe der Schulhierarchie einzuordnen, bei Bedarf von ihr aber quasi als Naturbegabung soziale Kompetenzen zu erwarten“, so Perner. Sie sieht Schulwarte als „Schulcoaches“ und „Helfer im Sinne von Gewaltschutz und Frieden“ und wünscht sich eine entsprechende Berufsausbildung, ebenso wie eigene Fort- und Weiterbildung. Perners Institut für Stressprophylaxe und Salutogenese hat sogar schon diesbezügliche Vorarbeiten geleistet. Das würde auch zu der notwendigen höheren sozialen Anerkennung des Berufs beitragen.

Lediglich als Hilfskraft bezahlt

Per Gesetz übernehmen die Schulwarte wichtige Aufgaben: Ihnen obliegt die Obhut über das Gebäude, die Einrichtung, die technischen Anlagen sowie über die Liegenschaft. In der Praxis heißt das, dass sich Schulwarte um das Schneeschaufeln, die Reparatur von Möbeln und das Montieren von Beamern kümmern. Doch während die Technik den Beruf veränderte, hat sich die geringe Bezahlung nicht geändert. „Wenn man die Leistung der Schulwarte in Relation zu ihrer gehaltlichen Einstufung stellt, muss man zwangsläufig zur Ansicht kommen, dass diese Personen für hoch qualifizierte Tätigkeiten lediglich als Hilfskräfte bezahlt werden“, heißt es im Buch.

Immerhin würden Schulwarte durch ihre Arbeit, die nicht selten über das Jobprofil hinausgeht und auch Montage-, Reparatur- und Wartungsarbeiten umfasst, dem Schulsystem viel Geld sparen. Laut einer im Buch zitierten Erhebung seien das fast fünf Millionen Euro.

Teil des Buches ist eine Befragung von Schulwarten zum Thema Stress und Gewalt an Schulen. Ihren eigenen Job beschreiben Schulwarte meist als mäßig stressig. Den Lehrerjob halten sie für etwas stressiger. Gewalt an der Schule halten sie für kein allzu großes Problem. Sich selbst schätzen die Schulwarte als pädagogisch nicht besonders kompetent ein, so die Ergebnisse.

07.10.2014 | 18:17, Die Presse

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