Kindergartenpädagog*Innen, die ihren Beruf ausüben, sind eine so seltene Spezies (geworden), dass es nicht nur den traditionellen Weg über die BAfEP (= Bildungsanstalt für Elementarpädagogik, vormals BAKIP) gibt, sondern die MA 10 lobenswerter Weise auch andere Möglichkeiten geschaffen hat.

Bei der herkömmlichen Ausbildungsschiene wird über fünf Jahre die Schule von Montag bis Freitag besucht und mit Matura abgeschlossen. Viele dieser AbsolventInnen wandern in die Bundesländer ab, wählen andere Trägerorganisationen als die Stadt Wien oder beginnen unmittelbar im Anschluss an die Berufsreifematura ein Studium.
Um das Defizit an MA 10-PädagogInnen in den Griff zu bekommen, wurde daher eine weitere Möglichkeit geschaffen: Change. Hier sollten KindergartenassistentInnen, die die Arbeit mit Kindern kennen, lieben und sich bereits dabei bewährt haben, die Chance bekommen, sich durch eine berufsbegleitende Ausbildungsschiene zur/m KindergartenpädagogIn fortbilden zu können (Schul- und Diensttage für die Praxis). Natürlich mit einer Bindung an die Stadt Wien nach absolvierter erfolgreicher Prüfung. Im ersten und zweiten Semester ​
können jene KollegInnen, die noch keine Matura haben, diese Prüfung nachmachen. So weit so gut und auch bewährt.

Personaltechnische Änderungen

Beim aktuellen Personalstand sind theoretisch genügend RegelpädagogInnen vorhanden, durch den Mangel an SonderkindergärtnerInnen und -horterzieherInnen werden aber für diese Tätigkeiten MitarbeiterInnen ohne Sonderausbildung herangezogen. Dadurch fehlen wieder KollegInnen im Regelbereich, die ihrerseits immer öfter durch fähige AssistentInnen ersetzt werden (müssen). Auch aus diesem Grund haben wir einen Mangel an AssistentInnen.
Das nimmt nun die Dienstgeberin zum Anlass, „die Förderung des Personals durch Ausbildung und zum anderen das Achten auf ausreichende Personalressourcen im Betrieb in einer halbwegs ausgewogenen Balance zu halten.“ (Zitat LeiterInneninformation 19.01.2017, Seite 3)

Chancenindex auch fürs (aus)bildungswillige Personal!

Wenn man sich die Ausbildungsmodelle für LeiterInnen, SonderpädagogInnen, Change (neu) und AssistenzpädagogInnen betrachtet, sticht eine gravierende Ungleichbehandlung ins Auge. Nicht nur, dass bei allen Schulungen von den Betroffenen ein hohes Engagement, Lernfähigkeit und die Reduzierung des Privatlebens auf ein Minimum nötig ist, werden die Studierenden von der Dienstgeberin, der sie sich weiterhin loyal verpflichten, spürbar unterschiedlich gefördert und unterstützt – gerade so, als ob es reines Eigeninteresse der Leute wäre und die Stadt Wien nicht erheblich davon profitieren würde! Und das unter der Perspektive, dass die Prüfungen zur/m LeiterIn ebenso wie die zur/m AssistenzpädagogIn ausschließlich ihre Gültigkeit bei der Stadt Wien haben!
Wenn es ein tatsächliches Anliegen der MA 10 und der zuständigen PolitikerInnen sein soll, die hohe Qualität in den stadteigenen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen anbieten zu können (und damit in gewohnter Weise massiv zu werben), dann wird es ohne Investitionen, in die ein höherer Dienstpostenplan inkludiert ist, nicht gehen – ganz im Sinne des Bundeskanzlers Kurz, der sich dezidiert dafür ausgesprochen hat, bei der Bildung nicht zu sparen. Zur Bildungsoffensive gehört eben nicht nur die Ausbildung Kinder und Jugendlicher, sondern auch die Fort- und Weiterbildung in bestehenden Dienstformen. Durch ein Aufstocken der Dienstposten könnten in Schulung befindliche KollegInnen sofort nachbesetzt werden, was zum einen den Druck im Alltag verringern und zum anderen eine echte Anerkennung der Ausbildungsbestrebungen (im Gegensatz zu schwülstigen Wortspenden in Politik, Medien und „internen“ Bekanntmachungen) darstellen würde.

Grafik: iconicbestiary / Freepik

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