Raues Klima bei den „Parksheriffs“.

Kein Geheimnis ist, dass in den vergangenen Jahren die Aggressivität auf der Straße zugenommen hat. Das hat zuletzt eine erfahrene MA 67-Mitarbeiterin – als „Wienerin der Woche“ – berichtet: „Wir werden oft bis auf das Letzte und Ärgste beschimpft, das reicht bis in die unterste Schublade. Sogar mit dem Umbringen wird uns manchmal gedroht.“ Beizeiten gebe es auch tätliche Angriffe oder man werde bespuckt, so MitarbeiterInnen.

Das tägliche „Arbeitsbrot“ der MitarbeiterInnen der Parkraum­bewirt­schaftung ist wirklich ein hartes. Menschen, die ihrem dienstlichen Auftrag nachkommen, nämlich das Überprüfen und Einhalten der gesetzlich vorgeschriebenen Parkometerabgabe, werden von den Mitmenschen im strittigen Fall nicht sonderlich geschätzt. Der volle Zorn der BürgerInnen trifft jene, die nur ihren Job machen. Bei Hitze, Kälte und Regen ist ein Mitarbeiter/eine Mitarbeiterin ca. 8 Stunden auf der Straße. Waren es anfangs 2er-Teams, wurde mittlerweile auf Einzelkontrollen umgestellt. So kann ressourcenorientiert besser gearbeitet werden. Zumindest ist das die Auskunft bei Anfragen bei den zuständigen Vorgesetzten. Aber ist das wirklich sinnvoll? Sind Menschen, die auf die Einhaltung der Gesetze beruflich achten müssen, Freiwild und nicht schützenswert? Was unterscheidet ArbeitnehmerInnen, welche hierfür stehen – ein akademischer Titel, eine Richteruniform oder ein Büro? Wie weit darf aggressives Verhalten gegenüber Aufsichtsorganen gehen?

Gewalt am Arbeitsplatz kennen auch die MitarbeiterInnen von ÖBB und Wiener Linien. Jährlich befördern die Wiener Linien mit ihren 8.700 MitarbeiterInnen 954 Millionen Passagiere auf ihren 179 Linien. Bereits im Jahre 2014 entschied die dafür zuständige Stadträtin ­Renate Brauner einen Ausbau der Videoüberwachung, eine Verbesserung von Fahrerkabinen in den Zügen und eine bessere Beleuchtung der Endstellen. Insgesamt 2 Mio. Euro wurden dafür ausgegeben. Gebessert hat sich aber – wie in den letzten Berichten ersichtlich – nichts. Ein kurzer Streik der Bediensteten am 23. April 2014 hat daran auch nichts geändert. Genau 106 Übergriffe zählte man in diesem Jahr, gleich 29 mehr als noch 2013. Leider gibt es für die nachfolgenden Jahre keine genauen Zahlen.

Auch die im Frühjahr 2016 lancierte verstärkte Überwachung der U-Bahnen, speziell der U6 hat nicht wirklich dazu beigetragen, etwas nachhaltig zu verändern. Damals waren neben zusätzlichen 30 MitarbeiterInnen der Wiener Linien noch 8 Securities eingestellt worden – viel zu wenig für die Vielzahl an Stationen, da die Securities ja in Zweierteams unterwegs sind. Die meisten Übergriffe passieren übrigens den Kontrollorganen der Wiener Linien, gemeinhin als „Schwarzkappler“ bekannt.

Jetzt gibt es einen österreichweiten Vorstoß seitens der Minister Leichtfried (Verkehr) und Brandstetter (Justiz): So sollen tätliche Angriffe auf Angestellte von öffentlichen Verkehrsmitteln – egal ob ÖBB, Wiener Linien oder andere kommunale Verkehrsbetriebe – ab September 2017 mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden. Dazu soll neben Rempeln, Treten oder Schlagen auch das Bewerfen mit Gegenständen zählen, unabhängig davon, ob die Person dabei verletzt wird oder nicht. Damit werden sie mit dieser Gesetzesnovelle (§270a StGB) Polizei- und Justizbeamten gleichgestellt.

Für die Mitarbeiter der Parkraumüberwachung gilt diese Gleichstellung per Gesetz bereits bisher. Sollten sie während der Amtsausübung tätlich angegriffen werden, sind sie Beamten gleichgestellt sind (§270 StGB Tätlicher Angriff auf einen Beamten).

Begeht jemand an einem Beamten während der Vollziehung seiner Aufgaben bzw. der Erfüllung seiner Pflichten eine Körperverletzung, so ist diese nach §84 (2) StGB IMMER als schwere Körperverletzung zu bewerten. Auch dies gilt sinngemäß für PÜG-Organe.

Bliebe nur noch, diese Gesetze auch umzusetzen.

Rund ein Viertel der Aufsichtsorgane im Bereich Parkraum­bewirt­schaftung sind Frauen. Vor allem für sie wird der Arbeitsplatz zur täglichen Risikozone, denn Frauen sind an ihrer Arbeitsstelle „Straße“ überproportional von Gewalt betroffen. Dabei sind Mitarbeiterinnen respektloser Kommunikation bis hin zu verbalen sexistischen Übergriffen ausgesetzt. Aus Angst vor Job- und Imageverlust in der Gruppe trauen sich Betroffene oft nicht, die Tat öffentlich zu machen oder anzuzeigen bzw. an der Dienststelle ihren Vorgesetzten zu melden.

Die Wertigkeit von Frauen am Arbeitsplatz ist hier jedenfalls Hauptthema und im Sinne der Fürsorgepflicht der Dienstgeberin (grundsätzlich ist es der Arbeitgeber, der verpflichtet ist, für die Sicherheit der MitarbeiterInnen zu sorgen) muss darüber nachgedacht werden, welche Schutzmechanismen installiert werden können.

Wenig hilfreich und wertschätzend wird auch oftmals aus Unwissenheit oder Überforderung in Krisensituationen „gespaßt“. Bei Meldungen hinsichtlich verbaler oder körperlicher Übergriffe kommt nicht immer situationsorientierte- oder gerechte Unterstützung. Weil schließlich und endlich: Ein Mann hat „hart“ zu sein. Und Frauen, die diesen Job machen, auch!

Hinschauen – statt Wegschauen! Die Unternehmenskultur muss sich schlichtweg an die Wirklichkeiten der Straße anpassen.

Was könnte Helfen?

Evaluierung des Arbeitsplatzes

Ein gutes Mittel zur Verbesserung der Arbeitsqualität ist die Arbeits­platz­evaluierung. Das bedeutet, die bestehenden Gefahren und gesundheitlichen Belastungen von Arbeitsplätzen zu ermitteln und zu bewerten. Aufgrund dieser Ergebnisse werden Maßnahmen zur Verbesserung und Vermeidung von Gefahren erarbeitet. Durch die Umsetzung dieser Ergebnisse kann eine laufende Qualitätssteigerung der Arbeitsplätze erreicht werden.

Die Ergebnisse müssen schriftlich in den Sicherheits- und Gesund­heitsschutzdokumenten festgehalten werden. Diese müssen überprüft und aktualisiert werden (z.B. nach Unfällen, bei Änderungen, bei der Einführung neuer Arbeitsmittel oder neuer Arbeitsstoffe etc.).

Sicherheitsvertrauenspersonen (SVP)

Gewisse Arbeitsschutzprobleme, ihre Auswirkungen und möglichen Lösungen lassen sich manchmal nur dann erkennen, wenn man mitten im Betrieb steht. Um diese Problematik nicht aus den Augen zu verlieren, gibt es Sicherheitsvertrauenspersonen (SVP).

Mitwirkung der ArbeitnehmerInnen

Sicherheitstechnische Angelegenheiten, die Vermeidung von Gefahren und „gesunde“ Arbeitsplätze sollten das Anliegen aller sein. Das räumt das Gesetz ein.


Wien: Gefährliches Pflaster – Nur die Harten kommen durch.

Wien-Landstraße:

Zorniger Lenker fuhr weiblichem Parksheriff über den Fuß

Ein weiblicher Parksheriff wurde in Landstraße attackiert.

vienna.at

Wien: Falschparker verprügelt Parksheriff

Ein Falschparker reagierte in der Leopoldstadt mit Faustschlägen auf ein Organmandat. Sein Opfer wurde im Gesicht und am Oberkörper verletzt.

Presse

AutolenkeR wurde rabiat und rammte Parkscheriff mit Pkw

Parksheriff wurde von brutalem Lenker gezielt angefahren und schwer verletzt.

Heute

Streit mit Park-Sheriff in Wien-Meidling: Agressiver PKW-Lenker biss Beamten

Der Streit mit einer Weißkapplerin eskalierte.

vienna.at

Parksheriff von 23-Jährigem schwer verletzt

Falschparker attackierte Opfer mit Faustschlägen im Gesicht und am Oberkörper. Täter wurde festgenommen.

Kurier

Falschparker zerreißt Parksheriff die Hose

Irrer attakiert Beamten.

Heute

Parksheriff als „blonde Hure“ beschimpft: Anzeige

31-jährige Beamtin wurde von 23-Jährigem auch mit dem Umbringen bedroht.

Kurier

Falschparker beschimpfte und bedrohte „Parksheriff” in Wien-Josefstadt

Der Parkscheinsünder war erbost über das Organmandat.

vienna.at

Wiener Parksheriff bedroht: „Schneide dir Kopf ab“

Brutale Verbal- Attacke gegen einen Mitarbeiter der Wiener Parkraum-Überwachung.

Krone


Umfrage bei der MA 67:

Das belastet uns Besonders

Bei Befragung von MitarbeiterInnen der MA 67 wurden folgende Belastungen durch die Arbeit auf der Straße angegeben:

  • Zunehmender Zeitdruck
  • Erwartung der steigenden Anzahl von Organstrafmandaten
  • Wiederholung immer gleicher Arbeitsvorgänge in kurzen ­Zeitabständen
  • Informationsmangel oder -überflutung
  • Freundlichkeitsdruck, Umgang mit Leid und Krankheiten
  • knappe Personalbemessung
  • Angst vor Arbeitsplatzverlust
  • fehlende Handlungsspielräume und mangelnde Beteiligungsmöglichkeiten
  • isoliertes Arbeiten
  • Lärm, Hitze, Kälte, Zwangshaltungen, enge räumliche ­Verhältnisse
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