Leserbrief zum optimierbaren Wissen der Vorarlberger Nachrichten.

Wenn ich in den Vorarlberger Nachrichten vom 16. April 2015 den Artikel von Andreas Scalet zum 70-jährigen Jubiläum des ÖGB lese, stehen mir nach seinen historischen Ausführungen die Haare zu Berge. Es ist richtig, dass der ÖGB im April 1945 gegründet wurde (aber nicht wiedergegründet). Das war aber noch vor Ende des Krieges!

Und es ist bedenklich von einem „verlorenen Weltkrieg“ zu schreiben. Wer hat den Krieg verloren? Der ÖGB? Österreich? Vielmehr ist es so, dass Österreich im Frühjahr 1945 – Wien schon im April, Vorarlberg erst im Mai – von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft befreit wurde. Erst diese Befreiung machte eine gewerkschaftliche Tätigkeit wieder möglich.

Aber auch in Bezug auf die Dreißigerjahre erscheint das historische Wissen in der VN-Redaktion optimierbar zu sein. Im Jahr 1938 von einer Eingliederung der sozialdemokratischen Gewerk­schafts­bewegung in die nationalsozialistische Deutsche Arbeitsfront zu schreiben, ist nicht nur höchst bedenklich, weil verharmlosend, es ist schlicht und einfach falsch. Die freie Gewerkschaftsbewegung war schon in den Jahren zuvor vom Austrofaschismus zerschlagen worden und zahlreiche GewerkschafterInnen saßen bereits in Gefängnissen und „Anhaltelagern“.

Da nach wie vor viele Menschen glauben, was in der Zeitung steht, haben JournalistInnen eine entsprechende Verantwortung und sollten meines Erachtens nicht unreflektiert ihr historisches Halbwissen reproduzieren.

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