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In seinem Buch nimmt sich Paul Coelho eines sensiblen Themas an: dem Leben und Sterben von Margarete Zelle, besser unter ihrem Namen „Mata Hari“ bekannt.

In einem fiktiven Briefwechsel zwischen ihr und ihrem Anwalt, Maitre Clunet lässt sie ihr Leben an sich vorbeiziehen. Von den Jugendjahren in Leuwaarden, wo sie 1876 als Tochter einer reichen Kaufmannsfamilie geboren wurde, die dann durch Fehlspekulationen verarmte, hin zu ihren Jahren in einem Mädcheninternat, dessen Direktor sich immer wieder an den halbwüchsigen Schülerinnen sexuell verging – auch Margarete wurde sein Opfer – bis hin zu ihrer Heirat mit dem um über 20 Jahre älteren niederländischen Kolonialoffizier „John“ Mcloud – voller Name Campbell Rudolf Mcloud – und der sehr unglücklichen Ehe in Batavia (dem heutigen Jakarta) auf Java, wo sie einerseits in einer abgeschlossenen Gesellschaft anderer Offiziersfrauen lebte und zuhause die sexuelle Brutalität ihres Ehemannes, aus der es kein Entrinnen gab, ertragen musste. Nur der javanische Tanz, den sie dort von Eingeborenen sah und lernte, war ihre Zerstreuung. Erst der Selbstmord einer Bekannten brachte ein Umdenken. Der Tod ihres Sohnes (Norman, geboren 1896) hinterließ eine tiefe Lücke, sie mutmaßte, dass man Norman vergiftet hatte, um ihren Mann, der sich dem Personal gegenüber grausam zeigte, zu bestrafen und so fasste sie den Entschluss, ihren Mann und die gemeinsame Tochter Jeanne Louise, genannt „Non“, geboren 1898, zu verlassen und nach Europa zurückzukehren.

Von da an lebte Margarete Zelle ein aufregendes, in ihrer Komplexität heute nicht mehr genau nachzuerzählendes Leben als Künstlerin „Mata Hari“ (was soviel wie Auge des Tages heißt). Sie trat mit ihren javanischen Schleiertänzen in den berühmten Pariser Varietees auf und erlangte aufgrund ihrer Schönheit schnell Berühmtheit. Damit verbunden umgab sie sich mit einer exotischen Vita, die in großen Teilen ihrer Phantasie entsprang. Überhaupt war sie jemand, der situationselastisch reagierte, um sich die Gunst berühmter Männer und Frauen zu sichern. Paulo Coelho umschreibt dies mit „ Denn im Laufe der Jahre war ich nicht nur mit vielen berühmten Männern im Bett, sondern auch mit ihren Frauen – beide, Männer wie Frauen, waren unersättlich in ihrer Gier nach Lust“ – damit ist wohl alles gesagt, was Margarete Zelles Dilemma ausmachte. Ihre Phantasie, verbunden mit weiblichem Geschick im Umgang mit Männern, übte jene manipulative Faszination aus, die Mata Hari ausstrahlte.

Bis zum Schluss war sie der Ansicht, ihre vielen Gönner und Freunde würden sie aus dem Gefängnis holen, da sie ja unschuldig sei – was in einem gewissen Sinne auch stimmte, da Margarete nie militärische Geheimnisse verriet. Ihr Verhängnis war die Zeit, in der sie lebte und die ihr Tun bestimmte. Eine selbstbewusste, selbstbestimmte Frau, die nicht den Regeln der damaligen Konventionen folgte, war für die (männliche) Gesellschaft eine Gefahr. Als Margarete dies erkannte, war es zu spät, das Peloton, welches sie erschießen sollte, bereits bestimmt. Am 15. Oktober 1917 wurde sie im Hof der Kaserne von Vincennes hingerichtet. Ein Offizier vermeldete nach Abgabe des Fangschusses feierlich: „Mata Hari ist tot!“

Als Fußnote sei noch zu vermerken, dass der damals amtsführende Staatsanwalt Andre Marne Jahrzehnte später in einem Gespräch bemerkte: „Einmal ganz unter uns, wir hatten eigentlich nichts gegen sie in der Hand!“

All das verarbeitete Paul Coelho in seiner unnachahmlichen Art zu einem spannenden Quasi-Zeitdokument, welches an der Wahrheit wohl näher dran ist, als viele sogenannte Erzählungen und Biografien über Margarete Zelle, genannt „Mata Hari“!

Paulo Coelho - Die Spionin

Paulo Coelho – Die Spionin

Diogenes Verlag

Hardcover Leinen  € 20.60

Taschenbuch  € 11.40

Hörbuch  € 22.50

http://www.diogenes.ch/leser/titel/paulo-coelho/die-spionin-9783257069778.html

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