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Jetzt hat der Bürgermeister also einen Witz gemacht …

und der Dittelbacher hat nicht so recht darüber lachen können, weil mit Witzen ist das so eine Sache, nicht jeder versteht sie, jeder hat einen anderen Zugang zum Humor, der eine lächelt, der andere schaut peinlich berührt irgendwo hin, manche lachen schallend, aber nur dann, wenn der Chef einen Witz erzählt, der schlecht ist, und nur, damit sie sich nachher, selbst witzelnd, über den schlechten Witz des Chefs lustig machen können, und wenn der dann schon fort ist.

Der Dittelbacher ruft sich jetzt die Performance des Herrn Bürgermeisters noch einmal ins Gedächtnis, wie der sich, die Hände in der Hosentasche tief vergraben und wie der Dittelbacher vermutet, nur um die Hose am Herunterrutschen zu hindern, vor dem Rednerpult aufbaut und auf die Lehrer und Lehrerinnen hinhaut. Bitte, sagt sich der Dittelbacher, auf die Lehrer kann man schon hinhauen, wo die doch so viel frei haben und jetzt sollen sie zwei Stunden mehr arbeiten, eigentlich mehr unterrichten, aber das geht in der Diskussion völlig unter. Die Verbindung „Lehrer und mehr arbeiten“, erinnert sich der Dittelbacher, ist ja ein schon lange währender Schwelbrand und natürlich ist es ein einfaches Thema mit Neidanspruch, das immer gut ankommt. Das wird gerne aus der Lade geholt, vor allem vor Wahlen, weil der Herr Bürgermeister ist ja ein guter Rechner und rechnet sich daher aus, dass ein paar Lehrerstimmen weniger eben weniger sind als Neiderstimmen mehr. Und natürlich begibt sich der Herr Bürgermeister gerne in das volksnahe Gebiet, weil, wer, denkt sich der Dittelbacher, wer, wenn nicht er, der Herr Bürgermeister soll volksnahe sein. Das hat er schon vor ein paar Jahren gemacht, sagt sich der Dittelbacher, das Volksnahe gepflegt und festgestellt, dass im Magistrat kein Platz sein wird für „Obezahrer“ und gemeint hat er natürlich die vielen Pensionierungen von Beamten und Beamtinnen, die krankheitshalber in Rente geschickt werden mussten. Man muss dem Herrn Bürgermeister zu Gute halten, so der Dittelbacher, dass er jetzt nicht jede Akte kennen kann und daher nicht weiß, welche grauslichen Krankheiten die Menschen haben können, aber so ist er eben, der Herr Bürgermeister, pflegt das Volksnahe vor den Wahlen.

Die Lehrer und Lehrerinnen sind natürlich auf die Barrikaden gestiegen wegen dem Bürgermeister-Sager, der sich auf zwei Stunden mehr Arbeit bezogen hat: „Wenn i zwarazwanzig Stunden in der Woche oabeite,“hat der Herr Bürgermeister im Fernsehauftritt festgestellt, „dann bin i am Dienstog z’mittog fertig. Kaun i hamgeh“, und die Gewerkschaft sowieso und die Opposition auch. Der Dittelbacher hat sich aber des Eindruckes nicht erwehren können, dass dem Herrn Bürgermeister das „ziemlich Blunzn“ ist, um es auch einmal volksnahe auszudrücken, und dass er sich erst nach kurzer Besinnung dazu bewegen lassen konnte, das Ganze als Witz einzustufen, er wollte einfach einen Scherz machen der Herr Bürgermeister, aber natürlich wissen wir ja, wie eingangs erwähnt, wie sich das mit den Witzen verhält. Und natürlich wollte der Herr Bürgermeister auf keinen Fall auf die Lehrer und Lehrerinnen hinhauen, sondern eh „nur“ auf die Gewerkschaften, weil die seit Jahren alles blockieren und sich einbetonieren. Jetzt muss man ehrlicherweise zugeben, dass das nicht nur die volksnahe Betrachtungsweise des Herrn Bürgermeisters ist, die Gewerkschaften als Verhinderer, Blockierer und Einbetonierer zu sehen, sondern dass diese Ansicht in den politischen Wortschatz übergegangen ist und sich dort einbetoniert hat. Mit dieser Einverleibung in den politischen Wortschatz, hat der Dittelbacher erkannt, ist aber die Grundidee der Gewerkschaft abhanden gekommen, nämlich sich gegen Verschlechterungen zu wehren und zu verhindern, aber natürlich, hat sich der Dittelbacher gedacht, hat diese Idee keinen Platz im politischen Jargon, da ist einfach das Wörterbuch nicht dick genug. Weil, hat der Dittelbacher gefolgert, wer mit vernünftigem Wortschatz und gesundem Menschenverstand, wie es so schön heißt, käme auf die Idee, zwei Stunden Mehrarbeit bei gleichem Gehalt nicht zu blockieren? Was würde der volksnahe Herr Bürgermeister da erwarten? Hurra, sollen die Gewerkschaften schreien, danke, Herr Bürgermeister, danke Frau Ministerin, endlich dürfen wir zwei Stunden mehr arbeiten, bei gleicher Bezahlung – und bei so viel Vertretung der Dienstnehmer müsste man ja sofort den Gewerkschaftsbeitrag erhöhen.

Der Dittelbacher hat insgeheim eine innerliche Abstimmung mit sich durchgeführt, ob er jetzt den Gewerkschaften rechtgeben soll oder der Politik und er hat sich für die Gewerkschaft entschieden. Bitte, ein wenig leidgetan, hat er ihm doch der Herr Bürgermeister, weil er doch so verkannt wurde, weil sein Sinn für feine Pointierung und Witz so völlig untergegangen ist und vor allem hätten sich nicht gleich Verzerrungen seines Sagers im Internet breit machen müssen. Ein Komiker hat sich sogar so weit verstiegen, die Aussage des Herrn Bürgermeisters abzuwandeln: „Waun i am Mondog auf’d Nocht, 22 (zwarazwanzg) Doppler aufreiß‘ bin i am Diensdog z’mittog fertig, Kaun i hamgeh“.

Nein, so weit hätte es nicht kommen müssen, zu so unreflektierten Analogien, noch dazu unbewiesenen, aber natürlich war der Dittelbacher offen für alles. Witz gegen Witz!

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