Beispiel Frauenfußball

Die für Österreich sehr erfolgreiche Frauenfußball-EM hat die Diskussion, wieviel Geld man mit Fußballspielen als Beruf verdienen kann, wieder angeheizt. Wir alle wissen, welche Summen im Männerfußball gehandelt werden, egal ob es die Finanzierung der Vereine oder die Bezahlung der Spieler geht. Ablösesummen jenseits der 50 Millionen Euro sind für die Spieler heute keine Seltenheit mehr, sondern eher die Regel, die besten (Männer)Vereine Europas sind milliardenschwer und werden immer reicher. Glaubt man den Medien, so nimmt allein Barcelona jährlich nur durch Spieltagsgelder 126 Millionen Euro ein. Doch wie ist es mit Frauenfußballvereinen?

Zunächst einmal ist es schon schwierig, eigenständige Frauenfußballvereine zu finden, die meisten Frauenvereine sind Anhängsel der Männersparte, also der sogenannten „großen“ Vereine. In Deutschland zum Beispiel sind 12 Vereine in der ersten Bundesliga und 25 in der zweiten Bundesliga. Davon sind gerade einmal zwei Vereine, nämlich der FF USV Jena und der FFC Turbine Potsdam eigenständig, wie aus einer Studie der Heinrich-Böll-Stiftung hervorgeht.

Frauenfußball: In Österreich ist es noch schwieriger

In Österreich ist es noch schwieriger: nur ein einziger Frauenfußballclub (von 10) in der Ersten Bundesliga ist eigenständig, bei allen anderen gibt es eine Sportgemeinschaft mit einem Männerverein (Beispiel: Landhaus und Austria, Vorderland mit SCR Altach). Gerade im fußballerisch unterrepräsentierten Bundesland Burgenland, was die Anzahl an Profivereinen betrifft, gibt es mit dem FC „Skiny“ Burgenland einen eigenen Frauenfußballclub. Er entstand 2002 nach der Trennung der Frauensektion vom SC Pinkafeld (siehe Vereinsgeschichte | FC SKINY Südburgenland Vereinshomepage (oefb.at)).

In der zweiten Bundesliga kann man die Carinthians Hornets als eigenständigen Verein bezeichnen. Sie spielen in Spittal/Drau (siehe Kader – Carinthians Junior Hornets – Saison 2022/23 – Mannschaften (oefb.at)). Auch Altera Porta ist ein reiner Frauenfußballverein (Spielort KSV Platz in Wien), womit wir bei zwei von 12 Vereinen sind (siehe Kader – KM-FR – Saison 2021/22 – Mannschaften (oefb.at)).

Alle anderen in den zwei Bundesligen spielenden Mannschaften sind zumindest in einer Sportgemeinschaft oder als Frauensektion eines Männervereines tätig. Was natürlich grundsätzlich nicht schlecht klingt, birgt jedoch schon den ersten Konfliktstoff: Wer darf wann trainieren, was kann frau verdienen und wie sieht es generell mit den Trainingsbedingungen aus? Wird die Frauenmannschaft nur als lästiges, aber zeitgemäßes Anhängsel (das vom ÖFB unterstützt wird) angesehen oder – wie im Beispiel Wacker Innsbruck – zum Aushängeschild des Vereines gemacht? Dort sind die Frauen schon seit Jahren erfolgreicher als die Männermannschaft. Leider ist durch den finanziellen Zusammenbruch (und damit verbunden auch Lizenzentzug) des Gesamtvereines hier eine Situation entstanden, die für die Zukunft der Frauenmannschaft entscheidend ist. Sie können leider ohne existierendem Gesamtverein nicht weitermachen. Jedenfalls nicht unter dem Namen Wacker Innsbruck. Und dass, obwohl ihr Team/ihr Verein vollkommen schuldenfrei und erfolgreich Fußball spielt.

Unsere Frauen spielen international – und bekommen dafür wenig

Geht man noch weiter und sieht sich den Kader der Spielerinnen für die Fußball-EM an, sieht man, dass gerade mal drei Spielerinnen (von 20) in Österreich spielen, zwei beim Meister St. Pölten, eine bei Sturm Graz. Die anderen verdienen ihr Geld im Ausland, bei Tottenham Hotspurs, Arsenal, AS Roma, FC Zürich oder in Deutschland bei Bayern, Frankfurt, Hoffenheim, Köln etc. Alles Top-Adressen – im Männersport. Doch wird das auch auf die Frauen umgelegt? Immerhin sind das alles finanzkräftige Vereine, die für ihre Männermannschaften jährlich zig Millionen EURO ausgeben.

Europaweit ist die zahlungskräftigste Frauenliga jene in Frankreich, wo Spielerinnen jährlich im Durchschnitt 49.785 Dollar verdienen. Vergleicht man das mit dem Gehalt der Männer ist das ein Pappenstiel, da allein die Spieler von Paris Saint Germain im Durchschnitt 820.000 Dollar, allerdings monatlich, verdienen. Aufs Jahr gerechnet wären das 9,84 Millionen Dollar. Möglicherweise sind die kolportierten Zahlen etwas unscharf, aber selbst der nichtinteressierte Mensch erkennt sofort die gewaltige Schere zwischen Männer- und Frauenfußball.

Fußball: Österreichs Frauen sind erfolgreicher

Für Österreich gibt es übrigens überhaupt keine genauen Zahlen, was den Verdienst der Frauen betrifft. Nimmt man jetzt die Erfolge der Frauennationalmannschaft in jüngerer Zeit (EM Halbfinale 2017, EM Viertelfinale 2022) mit jenen der Männer (Ausscheiden in der Vorrunde 2016, Achtelfinale 2021) her, so kann man unabhängig von der subjektiven Leistung sagen, dass die Frauen weit erfolgreicher sind. Die Männer haben noch nie ein Halbfinale bei einer EM erreicht und nahmen erst 2008 als Gastgeberland mit der Schweiz erstmals an einer Fußball-EM teil. Der erste Sieg der Männer bei einer EM fand am 13.6.2021 gegen (Nord)Mazedonien statt, davor haben sie kein einziges Spiel bei einem EM Turnier gewonnen. Die Frauen hingegen gewannen bei ihrem ersten Antritt am 18.7.2017 ihr erstes EM Spiel gegen die Schweiz.

Doch was ist das wert bzw. wie wird das gewichtet? Unbestritten ist Fußball die populärste Sportart in Österreich, 592.375 eingetragene SpielerInnen gehen diesem Sport nach, dazu kommen noch die vielen Hobbyvereine, die in keinem Verband tätig sind. Von den 370.828 Erwachsenen sind ganze 1,8% weiblich (6.899), von den rund 221.547 Kindern und Jugendlichen sind 2,2% weiblich (4802). Nimmt man jetzt diese nackten Zahlen her, kombiniert sie mit den Trainings- und Spielbedingungen, der Bezahlung sowie Bereitstellung von Infrastruktur, dann kann man die Erfolge der Frauen in diesem Sport gar nicht hoch genug bewerten. Und das quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, nimmt man die Zuschauerzahlen (Durchschnitt 149 Zuseher, das ist weniger als der Viertligaverein FAVAC hat) her.

Warum die Ungerechtigkeit?

Frauenfußball wird vor allem von der Männerwelt, die an den Hebeln von Geld und Macht sitzt, nicht ernst genommen. Das hat sich im Laufe der letzten hundert Jahre, die dieser Sport die Massen begeistert, nicht geändert. Und solange sich da das Bewusstsein nicht weiterentwickelt, werden sich die Bedingungen für Fußballerinnen auch nicht wesentlich verändern. Wir sind hier von einer Gleichberechtigung noch so weit entfernt wie vom Schrebergartenhäusl am Mars.

Mehr zum österreichischen Frauenfußball: https://www.kiv.at/zur-frauenfussball-europameisterschaft-2022-teil1/

Quellen:

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