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Die Psychologie im KAV steht einer ernsten Krise gegenüber. Und wir müssen uns fragen: Wie wichtig ist uns die psychologische Versorgung im Krankenhaus und wie wertschätzend gehen wir mit unseren klinischen PsychologInnen um?

Schon seit langem versuchen die klinischen PsychologInnen im KAV eine bessere Einreihung im Gehaltsschema zu bewirken – entsprechend ihren Voraussetzungen, ihrer langen Ausbildung, ihren privat bezahlten Zusatzausbildungen und vor allem entsprechend ihren Anforderungsprofilen.

Noch während dieser Verhandlungen trat das neue Bedienstetengesetz mit einer Gehaltsreform in Kraft. Externe Experten werteten unter anderem den Beruf der klinischen PsychologInnen in zweierlei Hinsicht auf:

Aufwertung des Berufs

Die klinischen PsychologInnen bekamen ein eigenes Gehaltsband und wurden endlich aus dem Gehaltsband der Verwaltungsbediensteten herausgenommen, in dem sie jahrzehntelang falsch eingestuft waren. Zusätzlich wurde das Gehaltsband auch finanziell aufgewertet. Somit wurden alle klinischen PsychologInnen ab 2018 in ein ihren Anforderungen entsprechendes Gehaltsband eingereiht.

Die Freude darüber währte aber nur kurz. Denn natürlich gab es dann Bestrebungen, auch für die „Altbediensteten“ ein besseres Gehaltsschema (wie schon über mehr als 5 Jahre in Verhandlung) zu bewirken, denn die eklatanten Gehaltsunterschiede zwischen den neuen KollegInnen und den „Altbediensteten“ waren mehr als sichtbar. Nicht einmal „Altbediensteten“ nach 29 Dienstjahren im KAV erreichten das Gehalt der PsychologInnen im neuen Gehaltsschema auf der ersten Stufe.

Die Wiener Lösung

Bereits nach nicht ganz einem Jahr hatte die Gemeinde Wien auch eine Lösung parat. Das Gehalt der „Altbediensteten“ wurde nicht angehoben, es wurde auch nicht versucht, eine faire Lösung zu finden, die das Verhandlungsteam der PsychologInnen immer angestrebt hatte.

Stattdessen nahm die Gemeinde Wien diese neue Einreihung im Schema W 4/1 wieder zurück, weil „fehlerhaft“, und gliederte die klinischen PsychologInnen in W1/16 ein – in den Bereich der „sozialen Arbeit“.

Im Juni 2019 fand dies keinen Beschluss im Landtag, worauf die Gemeinde Wien als Dienstgeberin wieder eine Idee hatte und mit einem Aufnahmestopp bei den klinischen PsychologInnen reagierte. Weiters wurden ab diesem Zeitpunkt alle befristeten Verträge nicht mehr oder nur für ein halbes Jahr verlängert.

Weitreichende Folgen für die Psychologie im KAV

Das führt jetzt zu einer prekären Situation in diesem Bereich des KAV, denn Dienstposten bleiben unbesetzt oder es wird nicht nachbesetzt. Unbezahlte Karenzen wurden nicht mehr bewilligt. PsychologInnen in Teilzeit sollten jetzt mehr Stunden leisten. Am schwersten wiegt aber, dass die PsychologInnen seither Patientinnen und Patienten beziehungsweise deren Angehörige nicht qualitativ optimal versorgen können.

Leider haben die Psychologinnen keine genügend große Lobby. Vielleicht liegt es auch an der Tatsache, dass die Psychologie im KAV nur eine kleine Berufsgruppe ist: Im KAV arbeiten ca. 260 klinische PsychologInnen. Möglicherweise liegt es daran, dass sie pro Haus im KAV nur wenige sind. Vielleicht ist es gar, weil der Großteil der klinischen PsychologInnen im KAV Frauen sind.

Ihre Arbeit wissen wir an der Basis alle sehr gut zu schätzen. Oft fangen sie in kritischen Situationen unsere PatientInnen und deren Angehörigen und auch unsere KollegInnen auf!  Sie sind aus den interdisziplinären Teams nicht mehr wegzudenken.

Gerade in der heutigen Zeit, in der die psychischen Belastungen für jeden Einzelnen immer größer werden (vor allem auch im Gesundheitssystem auf das wir in Wien so stolz sind), sollten wir nicht überlegen, wo hier eingespart werden muss. Stattdessen sollten wir überlegen, wie wir mehr Dienstposten auch in diesem Bereich schaffen können.

Wir warten

Derzeit warten wir auf einen neuerlichen Landtagsbeschluss (Ende November 2019), mit dem die klinische PsychologInnen in W1/16 eingereiht werden sollen. Fasst der Landtag den Beschluss, hätte das eine geringe Erhöhung der Lebensverdienstsumme im Vergleich zum alten Schema II/IV, aber einen unglaublich großen Verlust im Vergleich zum bisher neuen Schema W4/1 zur Folge.

Es wird an uns, den Interessenvertretungen, liegen, hier Ausgleich zu schaffen. Den erreichen wir entweder mit einer besseren Einreihung im „W Schema“ oder mit einer Schaffung von Zulagen im bisherigen Schema.

Auch die klinischen PsychologInnen sind zu Verhandlungen und zu Kompromissen bereit. Es darf nicht sein, dass eine so wesentliche Berufsgruppe in unserem Gesundheitssystem nicht wertgeschätzt, nicht gehört und nicht entsprechend entlohnt wird.

Die KIV vertritt die PsychologInnen in den diversen Ausschüssen. In erster Linie vertreten Maga. Nina Atzmüller-Gaugg (nina.atzmueller-gaugg@wienkav.at) und Drin. Brigitte Mauthner (brigitte.mauthner@wienkav.at) ihre Interessen. Beide sind auch im Personalgruppenausschuss ÄrztInnen und PsychologInnen aktiv.

 

Nina Atzmüller-Gaugg

Mag. Nina Atzmüller-Gaugg ist klinische Psychologin im SMZ Süd

Dr. Brigitte Mauthner setzt sich für Psychologie im KAV ein

Dr. Brigitte Mauthner ist Ärztin im Krankenhaus Hietzing-Rosenhügel

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