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Eine Straßenbahn ohne Schaffner? Früher unvorstellbar. „Heit fahr ma scho lang schaffnerlos!“

„Für die Amtsgehilfen haben wir in der Zukunft keine Verwendung mehr.“ Der Abteilungsleiter spricht diese Worte aus, als wären sie die normalsten der Welt, eine logische Schlussfolgerung auf die veränderten Anforderungen in unserer heutigen Arbeitswelt. Der Dienststellenausschuss­vorsitzende nickt zustimmend. Man hat sich damit abgefunden, nicht nur auf der Dienstgeberseite, sondern auch auf Seiten der Gewerkschaft.

Den AmtsgehilfInnen – ihre Anwesenheit war für Jahrzehnte ein vertrauter Anblick in den Magistratsabteilungen der Gemeinde Wien – sind die Aufgaben abhandengekommen. Man braucht sie nicht mehr, sie sind überflüssig geworden und die Stadt Wien trennt sich nun von dieser aussterbenden Sorte MitarbeiterIn. Der Fortschritt macht auch vor der Stadt Wien nicht halt. Was für die Dinosaurier der Meteoriten-Einschlag war, welcher sie zum Aussterben brachte, ist für die AmtsgehilfInnen die Digitalisierung. Der Papierakt verschwindet zunehmend, die damit verbundenen Tätigkeiten des Schlichtens, Kopierens und des Registrierens der Akten fallen weg. Mit Einführung von Programmen wie dem VStV und dem ELAK verschwindet für diese MitarbeiterInnen ein großes und für Jahrhunderte bestehendes Tätigkeitsfeld. Es braucht nun niemanden mehr, der die Schriftstücke versendet, die Papierakten sortiert und die Registratur verwaltet. Diese Jobs verschwinden. Die komplette Aktbearbeitung kann nun von einer Person alleine erledigt werden.

Doch viele AmtsgehilfInnen haben ihre Arbeit am Anfang Ihrer Laufbahn in dem Glauben begonnen, ihre Karriere auch in der Gemeinde Wien beenden zu können und bis zur Pension einen wichtigen Beitrag in der Arbeitswelt zu leisten. Plötzlich soll man nicht mehr gebraucht werden?

Solange es einen nicht selbst trifft, zeigt man leicht Verständnis für solche Rationalisierungsmaßnahmen: „Ja, was soll man mit denen machen, sollen sie ohne Aufgaben unbezahlt spazieren gehen?“, wäre mancher verleitet, laut zu denken. Es ist wohl ein nur allzu menschlicher Reflex, in Zeiten großer Konkurrenz am Arbeitsplatz solchen Problemen teilnahmslos bzw. mit Gleichgültigkeit zu begegnen, wenn es anderen passiert. Den Letzten beißen die Hunde. Zu viel drüber nachdenken will man nicht: „Bin nicht auch ich zu ersetzen? Bescheide schreiben, das könnten doch auch KanzlistInnen machen? Den Parkraum überwachen? Es gibt bereits vollautomatische Systeme und Drohnen, die das übernehmen könnten“. Viele dieser Zukunftsszenarien wären bereits technisch umsetzbar, die Pläne dafür liegen längst in der Schublade der Dienstgeberin und jeder fragt sich selbst still und heimlich: „Wann bin ich an der Reihe?“

Es geht uns alle an!

Die Stadt Wien präsentiert sich gerne als soziale Dienstgerberin. Wo sind also die neuen Aufgaben für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen die Arbeitsgrundlage abhandengekommen ist? Bis auf ein paar Umschulungsprogramme ist kein ernstzunehmender Alternativplan für diese Personalgruppe zu sehen. Fortschritt darf nicht gleichgesetzt werden mit Verlust von Arbeitsplätzen für die schwächsten und kleinsten Rädchen in unserer Arbeitswelt.

Wir als Gewerkschaft müssen nicht nur gegen diese Entwicklung auftreten, sondern mögliche notwendige Alternativen aufzeigen und fordern. Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen bzw. neue Tätigkeitsfelder für die MitarbeiterInnen, die drohen aus dem System rauszufallen, werden notwendig sein, um diese KollegInnen vor der Arbeitslosigkeit zu bewahren. Das Geld ist vorhanden, es gehört nur sinnvoll und gerecht eingesetzt. Nehmen wir die Dienstgeberin in die Pflicht und fahren wir ihr dort in die Parade, wo wieder mal von logischen und notwendigen Sparmaßnahmen die Rede ist!

Grafik: Asier_relampagoestudio / Freepik

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