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Fachkräftemangel in der Pflege: Am 23. Dezember 2019 erschien der weiter unten zitierte Artikel im KAV-Intranet zum Thema Fachkräftemangel im KAV. Dass Fachkräftemangel im Krankenhaus aber nicht nur die ÄrztInnen betrifft, ist jedem, der in diesem Bereich arbeitet oder schon einmal PatientIn im Krankenhaus war, mehr als klar. Unser Mandatar Biju Onatt, KIV-Sprecher der Hauptgruppe 2, wollte das so nicht stehen lassen und hat deshalb folgenden Kommentar als Leserbrief verfasst.

Leserbrief

Lieber Koll. Weismüller Wolfgang,
Liebe Koll. Evelyn Kölldorfer-Leitgeb,
Lieber Koll. Thomas Szekeres,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Fachkräftemangel mag kein KAV-spezifisches Phänomen sein. Innerhalb des KAV fehlen nicht nur Ärztinnen und Ärzte. Berufe in der Technik, Verwaltung oder Versorgung und Service, sowie Assistenzberufe sind hier nicht ausgenommen. Überall fehlt das Personal. Darüber sind sich alle einig. Aber noch mehr drohende Personalknappheit herrscht in einem anderen Bereich: nämlich in der Pflege.

Wenn ÄrztInnen nicht vor Ort sind, das Servicepersonal oder das Reinigungspersonal akut ausfallen, springt die Pflege ein.

Und gerade dieses Personal, das sich rund um die Uhr vor Ort um die PatientInnen und BewohnerInnen kümmert, wird oft nicht erwähnt, wenig wahrgenommen oder wenig wertgeschätzt.
Nur zwei Beispiele für diese fehlende Wertschätzung:

Früher bekamen ausgezeichnete AbsolventInnen in der Pflege ihre außerordentliche Leistung monetär honoriert (eine Stufenvorrückung im Gehaltsschema).
Für die belastenden Arbeitsbedingungen hatten sie mehr Urlaub erhalten (bis zu 40 Stunden pro Jahr).

Heute gibt es beides nicht mehr!

Zusätzlich sind, trotz Gerichtsurteil und Vereinbarung, heute die Umziehzeiten noch nicht umgesetzt. Aufgrund der neuen Besoldung werden „alte“ und „neue“ KollegInnen für die gleiche Arbeit nicht gleich bezahlt.
Die MitarbeiterInnen sind nur mehr eine Nummer. Die Kleidung mit eigenem Namen wurde abgeschafft, ebenso die Pragmatisierung. Die Anzahl der Dienstwohnungen wurde reduziert, weniger qualifizierte MitarbeiterInnen müssen hochqualitative Handlungen durchführen. MitarbeiterInnen wird von Seiten der Führung oft mit Misstrauen begegnet.

„Man braucht keinen Grund um zu gehen,
wenn man keinen mehr hat, um zu bleiben“!

Die Kernfrage, die mich beschäftigt, ist nach wie vor: Was haben die Wiener Politik und die KAV-Führung bis jetzt gemacht, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern?
Denn sicher ist: Ohne besonders gute und faire Arbeitsbedingungen bleibt keiner mehr im KAV.

Mit kollegialen Grüßen
Onatt Biju Augustian

Originalartikel

Der Originalartikel, auf den sich der Leserbrief bezieht, erschien am 23.12.2019 im KAV-Intranet und führt zwar den Mangel an ÄrztInnen als Problem an, nicht jedoch den Fachkräftemangel in der Pflege. Für alle, die keinen Zugang zum Intranet haben, den Artikel aber trotzdem lesen möchten, ist er hier in voller Länge zitiert:

Ab 2020 mehr als 250 zusätzliche Ärzt*Innen im KAV

Ärztekammer und KAV gemeinsam gegen Fachkräftemangel und Pensionierungswelle.

Der KAV ist der größte Arbeitgeber im österreichischen Gesundheitswesen. Aktuell arbeiten in unseren Spitälern mehr als 3.500 ÄrztInnen, davon mehr als 1.100 in Ausbildung. Ab 2020 werden die Kapazitäten um 250 Stellen für FachärztInnen und ÄrztInnen in Ausbildung erhöht. Die Ärztekammer sichert dabei volle Unterstützung zu.

Fehlende Fachkräfte werden auch im Gesundheitssektor zunehmend zu einem Problem.

„Die Zahl der ärztlichen Mangelfächer hat in den vergangenen Jahren zugenommen“, erklärt Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien. Auch im KAV wird es zunehmend schwieriger FachärztInnen wie AnästhesistInnen, PsychiaterInnen oder Kinder- und JugendpsychiaterInnen zu finden. „Offene Stellen können oft nur schwer und teilweise gar nicht nachbesetzt werden“, erklärt Generaldirektorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb.

Dabei wird der Bedarf an MedizinerInnen in den nächsten Jahren weiter ansteigen.

„In Wien fehlen uns in einem ersten Schritt 300 Ärztinnen und Ärzte“, so Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien. Zugespitzt wird das Problem durch die Pensionierung der Babyboomer aus den 1960er- Jahren. Kölldorfer-Leitgeb erklärt die Auswirkungen: „In ungefähr fünf Jahren haben wir im KAV eine höhere Pensionierungsquote, bei der jährlich mehr als 100 Ärztinnen und Ärzte in Ruhestand gehen. Darauf müssen wir uns vorbereiten.“

Gemeinsam wird dem Problem nun der Kampf angesagt.

2020 werden im KAV 250 neue Stellen sowohl für FachärztInnen als auch für die Ausbildung von JungmedizinerInnen in einem ausgewogenen Verhältnis geschaffen, die von der Stadt Wien finanziert werden. Mehr ärztliche Ausbildungsstellen sichern langfristig die ausreichende Besetzung der KAV-Spitäler mit FachärztInnen.
Die Ärztekammer sagt ihre volle Unterstützung zu: „Wir werden uns gemeinsam mit dem KAV bemühen, dass sich auch genügend Bewerberinnen und Bewerber für die bestehenden und natürlich auch die neu geschaffenen Stellen finden, damit diese neuen Posten schnellstmöglich besetzt werden können.“ Kölldorfer-Leitgeb sieht in der Kooperation mit der Ärztekammer viele Vorteile, vor allem für die PatientInnen: „Wir werden abgestimmt und in unserer gemeinsamen Verantwortung agieren. Wir können auf diese Weise viel mehr für die Menschen in Wien erreichen.“ Das gemeinsame Ziel sei es, das hohe Niveau der Gesundheitsversorgung in Wien nachhaltig sicherzustellen.

Biju Onatt ist Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger. Er ist Personalvertreter der KIV/UG im SMZ-Ost und KIV-Sprecher der Hauptgruppe 2. Er arbeitet seit Jahren unermüdlich an Verbesserungen für seine Kolleginnen und Kollegen, zuletzt vor allem im Bereich der Umziehzeiten.

Die KIV/UG bemüht sich seit Jahren um bessere Arbeitsbedingungen für die KollegInnen im Krankenhaus. Dazu gehören auch dringend notwendige Verbesserungen für das Pflegepersonal, das unter vielseitigen Belastungen zu leiden hat und in den letzten Jahren immer mehr verantwortungsvolle Aufgaben von den ÄrztInnen übernehmen musste, oft aber schon vorher personaltechnisch am Limit war. Alle Forderung der KIV für das Krankenhaus kannst du auf dieser Übersichtsseite einsehen.

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