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Personalmangel im Wiener Gesundheitsverbund: Kritik an den aktuellen Lösungensansätzen

Menschen in Krankenhauskleidung stehen im Kreis und strecken die Hände zusammen, in denen sie Puzzleteile halten

Der Personalmangel im Wiener Gesundheitsverbund (WIGEV) ist alarmierend und wird durch hohe Fluktuation, strukturelle Mängel und politische Entscheidungen verschärft. Aktuelle Lösungsansätze wie Gehaltserhöhungen und Anreize sind unzureichend. Langfristige Strategien, einschließlich Investitionen in Ausbildung, Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Zusammenarbeit mit Personalvertretung und Gewerkschaft, sind notwendig, um nachhaltige Veränderungen zu erreichen. Die Gesellschaft spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Unterstützung dieser Bemühungen.


Inhalt


Der Personalmangel in verschiedenen Sektoren, insbesondere im Gesundheitswesen, ist ein Thema von großer Bedeutung für die Stadt Wien. Die Situation in den Krankenhäusern hat in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der Druck auf das Personal, die Unzufriedenheit und die sich häufenden Warnungen aus den Reihen der Ärzt*innen und der Pflege sind alarmierende Zeichen dafür, dass die aktuellen Lösungen zur Bekämpfung des Personalmangels nicht ausreichend sind.

Die aktuelle Lage des Personalmangels in Wien

Der Personalmangel in der Stadt Wien betrifft nicht nur die Krankenhäuser, sondern viele öffentliche Sektoren. Eine Analyse der Arbeitsmarktdaten zeigt, dass der Mangel in der Gesundheitsversorgung besonders gravierend ist. Zahlreiche Krankenhäuser kämpfen damit, genügend qualifiziertes Personal zu rekrutieren und zu halten. Oft sind die Arbeitsbedingungen vor allem für die Pflege nicht attraktiv genug, um neue Kolleg*innen zu gewinnen.

  • Hohe Arbeitsbelastung und Stress

  • Unzureichende Bezahlung

  • Mangelnde Weiterbildungsmöglichkeiten

  • Unzureichende Unterstützung durch die Führung

Ursachen des Personalmangels

Um Lösungen zu finden, ist es entscheidend, die Ursachen des Personalmangels in Wien zu verstehen. Mehrere Faktoren tragen zu dieser besorgniserregenden Situation bei:

Hohe Fluktuation im Personal

Die KIV/UG hat immer wieder darauf hingewiesen, dass die Fluktuationsrate im Gesundheitssektor alarmierend hoch ist. Viele Fachkräfte verlassen die Krankenhäuser, weil sie nach besseren Bedingungen suchen.

Unzureichende Ausbildung und Rekrutierung

Ein weiterer Faktor, der oft übersehen wird, ist die unzureichende Ausbildung und Rekrutierung neuer Fachkräfte. Während der demografische Wandel die Zahl der älteren Menschen erhöht, die Unterstützung benötigen, bleibt die Anzahl qualifizierter Fachkräfte konstant oder sinkt.

Politische Entscheidungen

Die Politik spielt eine wesentliche Rolle. Fehlende Investitionen in die Gesundheitseinrichtungen und unzureichende Gesetzgebung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen sind entscheidend für die anhaltenden Probleme.

Die aktuellen Lösungen und ihre Kritik

Die Stadt Wien hat zahlreiche Lösungen zur Bekämpfung des Personalmangels vorgeschlagen, jedoch stehen viele dieser Initiativen in der Kritik. Einige der gängigsten Ansätze umfassen:

  • Erhöhung der Gehälter

  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen

  • Anreize für die Rückkehr von ehemaligen Bediensteten

  • Finanzielle Unterstützung für Auszubildende

Erhöhung der Gehälter

Die Idee, die Gehälter zu erhöhen, wurde von vielen als Lösung angesehen. Allerdings reicht das nicht aus. Viele Bedienstete möchten nicht nur mehr Geld, sondern auch eine nachhaltige Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und eine bessere Work-Life-Balance.

Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Ein weiteres vorgeschlagenes Mittel umfasst die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern. Während einige Fortschritte erzielt wurden, bleibt die Realität oft hinter den Erwartungen zurück. Bedienstete des WIGEV berichten weiterhin von fehlender Dienstplansicherheit, zu vielen Überstunden, Unterbesetzung und zu hohem Dokumentationsaufwand für die Pflege.

Initiativen für die Rückkehr von ehemaligen Mitarbeitenden

Initiativen, die darauf abzielen, ehemalige Mitarbeitende zurückzugewinnen, existieren. So rufen zum Beispiel Pflegedienstleitungen ausgeschiedene Mitarbeiter*innen an und fragen, warum sie gegangen sind und ob sie nicht doch wieder zurückkehren wollen. Das geht allerdings am Kern des Problems vorbei: Ehemalige Mitarbeitende verlassen den Sektor überwiegend aufgrund struktureller Probleme, die ja weiterhin bestehen bleiben und auch nicht durch finanzielle Anreize behoben werden können.

Finanzielle Vorteile für Pflegeschüler*innen

Die Stadt Wien hat auch Maßnahmen ergriffen, um Pflegeschüler*innen finanziell zu unterstützen, indem sie diese frühzeitig, noch vor Ende der Ausbildung, übernimmt. Pflegeschüler*innen müssen sich dann allerdings verpflichten, eine Zeit lang bei der Stadt zu bleiben und nicht in einen anderen Bereich zu wechseln.

Langfristige Strategien zur Bekämpfung des Personalmangels

Die Kritik an den aktuellen Lösungen führt zu der Frage: Was kann tatsächlich unternommen werden, um den Personalmangel im Wiener Gesundheitsverbund nachhaltig zu bekämpfen? Langfristige Strategien sind notwendig, um eine tatsächliche Veränderung herbeizuführen.

Investitionen in Ausbildung und Fortbildung

Ein grundlegender Ansatz sollte die Investition in Ausbildung und Fortbildung sein. Die KIV/UG fordert, dass sowohl neue als auch bestehende Bedienstete Zugang zu hochwertigen Schulungsprogrammen erhalten, um ihre Fähigkeiten zu verbessern und somit die Attraktivität der Berufe zu steigern.

Verbesserte Arbeitsbedingungen durch Digitalisierung

Die Nutzung moderner Technologien kann dazu beitragen, die Arbeitslast zu reduzieren. Die Implementierung digitaler Lösungen in den Krankenhäusern kann Prozesse vereinfachen und das Personal entlasten. Es ist wichtig, dass die Stadt Wien dies als Priorität in Betracht zieht.

Förderung einer positiven Unternehmenskultur

Die Schaffung einer positiven Unternehmenskultur, die das Wohlbefinden der Bediensteten fördert, ist ebenfalls entscheidend. Regelmäßige Feedback-Runden und die Einbeziehung der Bediensteten in Entscheidungsprozesse können dazu beitragen, die Zufriedenheit zu erhöhen.

Zusammenarbeit mit Personalvertretung und Gewerkschaft

Eine enge Zusammenarbeit zwischen der Stadt Wien, der Personalvertretung und der Gewerkschaft ist unerlässlich. Die Stimmen der Bediensteten müssen gehört werden, und ihre Bedürfnisse sollten in alle zukünftigen Strategien einfließen. Dies könnte durch regelmäßige Foren oder Versammlungen geschehen, die den Austausch zwischen den Parteien fördern.

Was kann die Gesellschaft tun?

Es ist nicht nur die Aufgabe der Stadt Wien und der Gewerkschaft, den Personalmangel zu bekämpfen. Auch auf gesellschaftlicher Ebene braucht es Veränderung und Unterstützung, zum Beispiel durch:

  • Öffentliche Bewusstseinsbildung über die Herausforderungen im Gesundheitswesen.

  • Unterstützung lokaler Initiativen zur Rekrutierung und Ausbildung von Fachkräften.

  • Aktive Teilnahme an Diskussionen über Gesundheitspolitik und Arbeitsbedingungen.

Die Zukunft im Gesundheitswesen der Stadt Wien

Die Bekämpfung des Personalmangels in der Stadt Wien erfordert einen gemeinsamen, langfristigen Ansatz. Während die aktuellen Lösungen kritisch betrachtet werden müssen, ist es wichtig, innovativ zu denken und neue Wege zu finden, um die Herausforderungen im Gesundheitswesen zu bewältigen. Durch Investitionen in Ausbildung, die Schaffung einer positiven Unternehmenskultur und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Bediensteten, Personalvertretung und Gewerkschaft kann ein nachhaltiger Wandel herbeigeführt werden.

Nur so kann die Stadt Wien ein Gesundheitssystem gewährleisten, das sowohl den aktuellen Herausforderungen gewachsen ist als auch den zukünftigen Anforderungen gerecht wird. Lasst uns gemeinsam an einer besseren Lösung arbeiten, um die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung für alle Bürger*innen zu garantieren. Der Gesundheitssektor ist das Rückgrat einer funktionierenden Gesellschaft, und wir sollten alles daran setzen, dieses Rückgrat zu stärken.

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