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Pflegehäuser: Problem Langzeitgeriatrie

Eine alte Frau hält einen Stock und gibt einer Pflegekraft die Hand

Im Gesundheitssystem Wiens brodelt es. Zu wenig Betten, zu wenig Personal, zu lange Wartezeiten. Auch die Pflegehäuser sind davon nicht ausgenommen – es gibt zu wenige und die, die es gibt, haben oft mehr Probleme, als sie alleine lösen können. Dabei spiegeln sie nur Grundprobleme des Wiener Gesundheitsverbundes wider.


Veralteter Personalschlüssel, zu wenig Betten


Es fehlen Pflegeplätze und es fehlt Pflegepersonal. Die Kliniken gehen über vor Menschen, die auf einen Pflegehausplatz warten. Sie belegen Betten, obwohl sie eigentlich nicht akut krank sind, sondern einer Betreuung in der Langzeitgeriatrie bedürfen. Diese Betten fehlen dann im täglichen Betrieb der Klinik.


Doch auch der Personalstand ist fernab dem, was täglich an Arbeitskraft benötigt wird, um die Versorgung langfristig aufrecht zu erhalten. Der Personalschlüssel für Wien wurde vor rund 25 Jahren erarbeitet und spiegelt den damaligen Bevölkerungsstand Wiens wider. Der betrug damals ca. 1,5 Millionen Menschen – und damit um ca. 500 000 Menschen weniger als heute.


Auch die Bevölkerungspyramide hat sich in den letzten 25 Jahren deutlich verschoben. Es gibt heute mehr Pflegebedürftige als je zuvor, und die Generation der Babyboomer ist zumeist noch nicht einmal in einem Alter, in dem Pflege in Anspruch genommen wird. Die Zahl der Menschen, die in den nächsten Jahren einen Platz im Pflegehaus brauchen werden, wird also noch weiter steigen.


Trotzdem ist die Anzahl der Betten in den Kliniken gleichgeblieben bzw. durch die Erwartungshaltung der Patient*innen an Einzelzimmern, sogar gesunken und auch der Personalschlüssel ist unverändert.


Pflegehäuser: Zu wenig Fachpersonal


Durch die Personalsituation in den Pflegehäusern wird die Lage in den Kliniken leider zusätzlich verschärft. Es werden Ärzt*innen aus den Pflegehäusern abgezogen, da ihre 24-Stunden-Anwesenheit finanziell und medizinisch nicht gerechtfertigt ist.


Andererseits werden Bewohner*innen wegen Kleinigkeiten mit der Rettung in die Kliniken gebracht. Während akute medizinische Notfälle natürlich in der Klinik versorgt werden müssen, wäre es von Vorteil, wenn die Pflegehäuser medizinische Probleme, die über Bedarfsmedikation hinausgehen, jedoch keiner notfallmedizinischen Intervention bedürfen, selbst lösen könnten, um die Kliniken zu entlasten.


Die Argumentation ist, dass die verordnete Bedarfsmedikation aufgeschrieben ist und von diplomiertem Pflegepersonal verabreicht werden kann. Das Problem ist allerdings, dass es, durch die bisherige Anwesenheit der Ärzt*innen, zu wenig diplomierte Krankenpfleger*innen in den Häusern gibt und eine Umwidmung von Posten nicht durchgeführt wird.


Lösungen?


Eine mittelfristige Lösung für die fehlenden Pflegeplätze könnte sein, private Pflegehäuser, die von der Stadt Wien finanziell unterstützt werden, mehr in die Pflicht zu nehmen und ihren Kriterienkatalog für die Übernahme von Pflegebedürftigen zu hinterfragen. So könnten Kliniken entlastet werden.


Auch am Nostrifizierungssystem könnte man arbeiten, um ausgebildeten Fachkräften aus anderen Ländern, die in Wien arbeiten möchten, die richtige Einstufung in unser System zu ermöglichen. Momentan werden leider viele, eigentlich diplomierte Pflegekräfte, als Assistenzpersonal eingestuft, obwohl sie eine entsprechende Ausbildung im Herkunftsland nachweisen können.


Langfristig wird jedoch nur der Ausbau der Pflegehäuser und ein überarbeiteter Personalschlüssel dazu beitragen, die Situation in den Kliniken zu entschärfen.

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