Wo bleibt endlich die Schaffung eines Berufsbildes für die aktuell gelebte Form der Kindergarten-Assistent*Innen? Auch die Umsetzung eines eigenen Gehaltschemas für Kindergarten-AssistentInnen ist längst überfällig!

Es kann nicht sein, dass unsere AssistentInnen, deren Tätigkeit u.a. die Bildung von Kindern ist, unter „handwerklicher Verwendung“ eingereiht sind. Abgesehen von der monetären Seite spiegelt diese Situation auch eine völlig unzureichende Wertschätzung der Leistungen der KollegInnen seitens der Dienstgeberin und auch deren Stellung in der Gesellschaft wider!

Worte, nur Worte – wo bleibt die wirkliche Anerkennung?

Die AssistentInnen sind immer bereit zu unterstützen, einzuspringen und in Notfällen auch Gruppen über kürzere oder längere Zeit stellvertretend für PädagogInnen zu führen. Ganz selbstverständlich sind sie auch in den unmöglichsten Situationen des Alltages für alle da. Und wie wird es ihnen gedankt? Mit den mittlerweile ausgelutschten Worten: „KollegInnen, ohne euch würde alles zusammenbrechen. Ihr seid unsere Stütze!“
Wertschätzend und respektvoll kommen diese Worte leider nicht mehr an. Und von Worten kann mensch am Monatsende nichts kaufen und sie bringen auch nicht mehr Pension. Sie machen auch die Arbeitsbelastung und den durchgehenden Stress nicht besser.

Noch immer nicht als Beruf anerkannt

Die vielen Aufgaben der AssistentInnen haben schon lange nichts mehr mit einer „ungelernten Hilfskraft“ zu tun. Leider wird aber gerade diese Gruppe von MitarbeiterInnen in den Kindergärten gerne als „unqualifiziertes Personal“ dargestellt.
Das große Tätigkeitsfeld der AssistentInnen wird noch immer nicht als Beruf anerkannt. Gerade in Zeiten wie diesen, da der elementare Bildungsbereich wissenschaftlich begleitet wird und Studien belegen, dass zögerliche Investitionen in strukturelle und ausbildnerische Verbesserungen fahrlässig sind, könnte die Stadt Wien als größte Trägerorganisation eine VorreiterInnenrolle übernehmen.

Berufsaussichten für Kindergarten-Assistent*Innen

Ach ja, da gibt es doch seit den „Kindergarten-Demos“ von 2009 für AssistentInnen eine Aufstiegsmöglichkeit in die Verwendungs-Gruppe 2. Leider sind die Kriterien dafür so angelegt, dass sie nur von einer sehr kleinen Gruppe erreicht werden können und damit bei Budget-Überlegungen eine nicht berücksichtigende Größe einnehmen.
Die „Karriere“ einer Kindergarten-AssistentIn beginnt in Verwendungs-Gruppe (VG) 4, führt über den Aufstieg in VG 3 und schließlich in VG 3P. Erst nach weiteren 10 Jahren mit mindestens „Sehr guten“ Beurteilungen und einer Krankenstands-Höchstzahl von jährlich 13 Tagen gelingt das angestrebte Ziel der VG 2 (es braucht also in Summe mindestens 21 Jahre bei „tadelloser Führung im besten körperlichen Zustand“). Unnötig hinzuzufügen, dass allein bei der erforderlichen Anzahl der Dienstjahre bereits ein Lebensalter erreicht ist, in dem sich gesundheitliche Abnutzungserscheinungen nicht mehr unterdrücken lassen und somit allein die maximale Anzahl der erlaubten Krankenstandstage kaum eingehalten werden kann.

Armutsfalle

Dazu kommt die hinterfragenswerte Handhabung, einen wesentlichen Bestandteil des Gehalts von einer Beurteilung abhängig zu machen. Diese Praxis führt zu einer unnötigen Anspannung auf allen Seiten. Der Sinn einer Beurteilung – nämlich die Feststellung der erbrachten Leistung im Hinblick auf eine weitere Erhaltung des Ist-Zustandes bzw. das Erarbeiten eines möglichen Steigerungspotentiales durch sachbezogene Kritik – wird durch den Druck auf die Existenzsicherung eines Menschen völlig verzerrt. LeiterInnen stehen vor dem Dilemma, einer MitarbeiterIn die „bessere Note“ geben zu müssen, um sie nicht zusätzlich durch den Einkommensverlust zu verunsichern, AssistentInnen wiederum leben mit dem Damoklesschwert einer möglichen, finanziell unbotmäßigen Disziplinierungsmaßnahme. Die Auswirkungen davon ziehen unbedachte Kreise: Es geht nicht um „verschmerzenswerte paar Euro“, denn jedes Minus bei der Entlohnung hat Auswirkungen auf den gesamten Karriereverlauf und damit auch auf die Pension (lebenslanger Durchrechnungszeitraum)! AssistentInnen sind besonders gefährdet, im Alter in die Armut abzurutschen, falls sie nicht dem Gutdünken ihrer Vorgesetzten entsprechen.

Ausweg aus der katastrophalen Bezahlung

Für den Schritt zur Anerkennung der Tätigkeit der AssistentIn als Beruf ist es nötig, berufsbegleitende Schulungen und eine andere Besoldung zu erreichen. Die Bezahlung der AssistentInnen ist seit jeher katastrophal und muss schnellsten reformiert werden.
Das Verweilen in der Verwendungsgruppe 4 ist auf ein Jahr zu beschränken, der Zeitrahmen für den Aufstieg in alle weiteren Verwendungsgruppen um ein gutes Drittel zu verkürzen und die Leistungszulage der AssistentInnen endlich von der Beurteilung (analog zu den PädagogInnen) zu entkoppeln.
Überlegenswert ist auch die Ausbildung zur Heimhilfe oder Wirtschaftshelferin für AssistentInnen zu öffnen bzw. ein dreiwertiges Ausbildungsmodell zu etablieren. Mehrere Möglichkeiten würden so zur Verfügung stehen und der Kindergarten wäre nicht mehr die berühmte Einbahn.
Generell sollten wir noch immer überdenken, ob der Vorschlag der KIV, AssistentInnen mit einem Prozentsatz des PädagogInnengehalts zu bezahlen, nicht der sinnvollere Weg ist.

Grafik: iconicbestiary / Freepik

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